Galerie KOW : Cady Noland, Santiago Sierra

Ob das gut geht? Die Galerie Koch Oberhuber und Wolff kombiniert in einer großen Doppelausstellung Arbeiten von Cady Noland und Santiago Sierra.

Claudia Wahjudi

Die US-amerikanische Künstlerin Noland hat dem Kunstbetrieb längst den Rücken gekehrt. Sie baute Installationen und Objekte aus Alltagsgegenständen, sie collagierte, druckte, sammelte Fotos. Ihr Werk, ein abgeschlossenes Sammelgebiet. Bei Sierra dagegen, dem berühmt-berüchtigten Künstler aus Spanien mit seinem Faible für Mexiko, weiß man nie, was als Nächstes kommt. Einmal schickte er seine Eröffnungsgäste mit dem VIP-Shuttle in einen Slum und ließ sie dort stehen, ein anderes Mal bezahlte er illegale Einwanderer dafür, dass sie unter Kartons saßen, und nun wird er deutsche Kriegsveteranen dafür billig entlohnen, stehend auszuharren, mit dem Gesicht zur Ecke, unten im Souterrain, wo man durchs hoch gelegene Fenster wie aus einem Schützengraben zu den Füßen der Passanten emporsehen muss.

Doch Co-Galerist Alexander Koch ist auf etwas aufmerksam geworden, das die beiden so unterschiedlichen Künstler verbinde, wie er sagt. Noland, die Gewalt in den USA thematisierte, interessierte sich unter anderem für den Typ des Psychopathen. Er wirkt oft smart, intelligent und sozial, ist jedoch nicht zu Empathie fähig und benutzt Menschen wie Objekte auf dem Weg zu seinem Ziel. Hollywood hat diesen Typus in Thrillern wie dem „Schweigen der Lämmer“ nachdrücklich porträtiert. Und Sierra, so sagt Koch, präsentiere in seinen Interventionen Menschen wie Objekte, gerade weil er sie nicht als Objekte sieht. Vielmehr will Sierra ja spiegeln, wie Gesellschaften Mitglieder behandeln, die nicht der Norm entsprechen oder an Verdrängtes erinnern.

Es wird wohl gut gehen mit der Kombination. Die Arbeiten von Noland (unverkäuflich) entleiht die Galerie der Sammlung Schürmann. Darunter befindet sich ein großer Metallzaun und die Front eines Blockhauses. Landnahme und Konflikte um Raum sind neuralgische Punkte in der jungen Geschichte der USA. Santiago Sierra präsentiert Druck- und Plakatreihen (25 000 bis 40 000 Euro) und wird zudem am Sonntag des Gallery Weekends um 14 Uhr zwei Handwerker zu einer Performance antreten lassen. Auch den Besucher wird er zum Objekt machen – sofern dieser Sierras Schlauch mit Dieselabgasen ins Souterrain folgt.

Galerie KOW, Brunnenstr. 9, Mitte, Fr 16-21 Uhr, Sa/So 11-19 Uhr, bis , Di-Sa Uhr

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