Kultur : Galerie Linneborn: Spiele im Wind

Elfi Kreis

Ein Tag, an dem eine steife Brise weht, eignet sich für den Besuch der Galerie Linneborn besonders. Zwar hat Michael Hischer die beiden Flügel seiner kinetischen Metallskulpturen auf ihrem Kugellager so präzise austariert, dass man ihre bedächtigen Bewegungen auch verfolgen kann, wenn sich kein Lüftchen regt. Doch etwas Wind bringt seine Mobiles im Skulpturengarten an der Panke zusätzlich in Schwung. Tempo kommt ins pendelnde Spiel der parallelen Windradflügel. Sie werden munter, beginnen sich asynchron zu überlagern und überkreuzen. Erst wer eine Weile den Wechsel ihrer Bahnen verfolgt, entdeckt die Vielfalt möglicher Formvariationen trotz einfacher Geometrie. In farbigen Industrielack hat Hischer die Mobiles gefasst (11 500 bis 12 800 Mark).

Jeden Sommer startet die Galerie Linneborn auf dem Anger an der Pankower Kirche eine kleine Kunstaktion. Hischers spielerische Skulpturen finden ihre Fortsetzung in den heiteren Holzplastiken seiner Partnerin Marina Schreiber. Sie zeigt wohlgerundete, zusammengesetzte Arbeiten aus verleimten Tischlerplatten oder Pressspan. Sorgfältiger Feinschliff verleiht den Skulpturen eine samtig wirkende Oberfläche. Noch bis vergangenes Jahr bemalte Schreiber ihre Werke völlig. Die Galerie zeigt ein Beispiel in Blau (6200 Mark). Nun bringt sie Struktur, Maserung oder Streifenschichtung ihres Materials stärker zur Geltung. Beim Begriff "Biomorphen Abstraktionen" ist sie geblieben. Doch die organischen Formen erinnern nun weniger an fantasievolle Kreuzungen dickfleischiger Gewächseoder Unterwasservegetation; man meint nun Ähnlichkeiten mit Felsen oder aufeinandergetürmten Kieselsteinen zu erkennen. Mal sind sie bekrönt von einem Pilzhut, mal Dock für einen dickbauchiger Schiffsrumpf. In nun weniger leuchtenden, aber kräftigen Farben setzt Schreiber Akzente. Sie bemalt Details wie fühlerartige Hörner oder runde Knubbel, die dem Grundkörper entwachsen, von denen einige Auswüchse an Allessi-Design denken lassen.

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