Kultur : Galerie Nierendorf: 80 Jahre für den Expressionismus

Markus Krause

Ein Jubiläum kommt selten allein. War es vor wenigen Tagen der 50. Geburtstag der Galerie Pels-Leusden, so ist es nun sogar noch ein höheres Alter, das es zu feiern gilt: Die Galerie Nierendorf wird 80. Mit diesen stolzen Jahren ist sie die bei weitem älteste private Kunsthandlung der Stadt - auch wenn sie nicht den gesamten Zeitraum hier beheimatet war. Gegründet wurde sie 1920 von Karl und Josef Nierendorf in Köln. Doch schon 1923 übernahm einer der Brüder die Leitung des Graphischen Kabinetts "Israel B. Neumann" in Berlin, bevor die Galerie Mitte der zwanziger Jahre endgültig an die Spree übersiedelte. Schlagartig wurde sie hier zu einer der wichtigsten Adressen für moderne Kunst. Neben Otto Dix und den Malern der Neuen Sachlichkeit, die besonders gepflegt wurden, galt das Interesse von Anfang an den deutschen Expressionisten, für die sich die Galerie wagemutig bis in die späten dreißiger Jahre einsetzte: 1939 wurde eine Präsentation von Franz Marc noch am Eröffnungstag von den Nazis geschlossen. Danach ging gar nichts mehr, und es dauerte anderthalb Jahrzehnte, bis Florian Karsch, Sohn von Meta Karsch, der Frau Josef Nierendorfs, die Galerie 1955 unter dem alten Namen und mit dem alten Programm in Berlin wiedereröffnete. Fast ein halbes Jahrhundert ist seitdem vergangen, aber Ermüdungserscheinungen wird man bei Florian Karsch, der auch als Autor der maßgeblichen Werkverzeichnisse der Druckgrafik von Otto Mueller und Otto Dix hervorgetreten ist, vergeblich suchen. Zahlreiche Inkunabeln der Moderne sind in all den Jahren durch seine Hände gegangen. Jahre, über die er jedem neugierigen Zuhörer zahlreiche spannende Geschichten und Anekdoten zu erzählen weiß. Erst kürzlich ist eine kunsthistorische Dissertation über die Galerie Nierendorf fertiggestellt worden, die hoffentlich nicht allzu lange darauf warten muss, als Buch publiziert zu werden. Bis März 2001 zeigt Florian Karsch in der Hardenbergstraße 19 anlässlich des runden Geburtstages achtzig Werke von achtzig Künstlern des 20. Jahrhunderts aus dem Fundus der Galerie.

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