Kultur : Galerie Nothelfer: Die Reinheit der Farbe Schwarz

Klaus Hammer

Erst kürzlich wurde Eduardo Chillida in Berlin mit dem renommierten PiepenbrockPreis für Skulptur geehrt, im Oktober wird seine monumentale Eisenskulptur "Berlin" vor dem Bundeskanzleramt eingeweiht. Die Galerie Georg Nothelfer zeigt anlässlich dieser Ereignisse auf dem "art forum" und in ihrer neuen Dependance in der Corneliusstraße Skulpturen aus Terrakotta und Schamotteerde, Graphiken, Collagen und Gravitationen und das neue Artfolio "Aromas" des 76jährigen baskischen Künstler-Philosophen, das wie Lebensbilanz anmutet.

"Guiado sólo por un aroma" (geführt allein durch Duft, durch die Düfte des Lebens) - so soll sich der Betrachter auf Entdeckungsreise durch Raum und Zeit begeben. Chillida konzentriert sich auf den Bewegungsfluss der reinen schwarzen Linie, die durch den Prägedruck eine zusätzliche Räumlichkeit erhält. Gleich Energieströmen steigen Bögen auf und ab, schwingen wellenartig aus, kreuzen sich oder reißen abrupt ab. Schwarze Stege umschließen irreguläre Räume, krallenartige Haken, quaderförmige Figurationen und labyrinthische Architekturformen. Sie assoziieren mit ihren schrundigen Oberflächen altertümliche Relikte der Verwandlung und Verzauberung, des Traumes und der Sehnsucht. Dazu kommen gezeichnete Hände, sinnbildlich für das Zueinanderfinden, für das Ergreifen des Raumes, sowie Zeichnungen einiger seiner herausragenden Skulpturen, wie die "Windkämme" an der Bucht von San Sebastian, die die Vision vom unbegrenzten Raum verkünden. Die wenige Grundformen variierenden Blätter entfalten sich aus den ausbalancierten Bezügen der Texturen, aus dem Wechselspiel von Wort und Bild, dem Heraustreten der Gestalt aus der Textur, dem Entstehen von Rhythmus und Raum, dem Vernetzen der Ebenen. Improvisation und Freiheit des Spiels werden von einer zunehmenden Begrenzung durch Definition, durch Form- und Sinnentscheidungen abgelöst. Chillidas Arbeiten stellen sich in Bezug zu Sinnsprüchen von Berufskollegen, Dichtern und Philosophen von Leonardo da Vinci, Leibniz, Voltaire, bis zu Lessing, Goethe, Hölderlin, George Braque und Rafael Alberti. Der Grafikfolge vorangestellt ist das auf die Phantasie und das Unwägbare im Leben verweisende Wort Albert Einsteins: "Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle".

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