Galerist Werner Tammen im Interview : Guter Geist

Er gründete 1995 den Landesverband Berliner Galerien mit. Im Interview spricht Werner Tammen über die Vorteile einer Verbandsmitgliedschaft für Galeristen.

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Werner Tammen vor Kunstwerk
Werner Tammen ist seit 1979 Galerist und gründete den Landesverband Berliner Galerien mit. Seitdem verfolgt er die Entwicklung der...Foto: Holger Biermann

Herr Tammen, Galeristen agieren im globalen Kunsthandel oft als Einzelkämpfer. Was bringt sie dazu, sich unter das Dach eines Landesverbandes zu begeben?

Es gibt manifeste Themen, die nur ein Verband behandeln kann. Etwa die internationale Messeförderung mit „Art From Berlin“, ein von uns initiiertes Projekt. Oder wenn wir gegen die nach wie vor sehr problematische Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent opponieren, geht das ebenfalls nur in Verbandsstrukturen mit der Power vieler Kollegen.

Sie haben die Diskussion um die Mehrwertsteuer also noch nicht aufgegeben?

Das Thema bringt handfeste Nachteile für den Kunsthandel, ist daher weiter auf der Agenda und wird vom Bundesverband mit Unterstützung der Landesverbände intensiv verfolgt. Bald gibt es einen ersten steuerlichen Musterprozess. Wir sind guter Dinge, was den Ausgang anbelangt.

Erhöhte Mehrwertsteuer, Konkurrenz im Internet, Kulturgutschutzgesetz: Es gibt viele brennende Themen. Bringt das mehr und jüngere Galeristen in den Verband?

Es ist ja nicht mehr selbstverständlich, überhaupt einem Verband anzugehören. Umso mehr freuen wir uns über ein leichtes Wachstum. Das hat sicher mit unseren Leistungen zu tun, die vom kollegialen Austausch über Seminare zu Themen wie Zoll oder Steuern bis hin zu Fragen der Professionalisierung reichen, um den Berufsstand der Galeristen den immer größeren Herausforderungen gegenüber fit zu machen. Das Bedürfnis nach Vernetzung und Zusammenarbeit ist größer geworden.

Sie haben vorhin „Art from Berlin“ erwähnt. Was ist das?

Ein Programm, das der Landesverband mit dem Berliner Wirtschaftssenat und der EU zur Stärkung des Berliner Kunststandortes entwickelt hat. Für die Berliner Galeristen ist es notwendig, ihre Künstler im Ausland zu zeigen. Das Programm bietet vor allem jüngeren Kollegen die Chance zum teils ersten Messeauftritt. Die Galerien profitieren von einer 50-prozentigen Förderung und waren in Seoul, Istanbul, New York, Basel oder Miami gemeinsam präsent. In einer Berlin-Lounge präsentieren wir Museen und Institutionen und betreiben so aktives Standort-Marketing für den international beachteten Kunststandort Berlin.

Die Teilnahme hängt nicht von einer Mitgliedschaft im Verband ab.

Nein, das Angebot wird grundsätzlich berlinweit ausgeschrieben, die Galerien werden von einer Fachjury ausgewählt.

Sie waren von Beginn an aktiv im Landesverband. Was hat sich verändert?

Wir haben den Verband 1995 mit 26 Galerien gegründet, weil wir die Notwendigkeit sahen, uns auf veränderte Bedingungen einzustellen. In Berlin entwickelte sich damals rasant eine vollkommen neue Szene mit fast 200 Galerien - und die brauchten eine starke Interessensvertretung. Die Stadt war der Humus und gab Kreativen aus aller Welt die einmalige Chance, eine Metropole maßgeblich mitzugestalten. Deshalb war die Gründung absolut notwendig. Der Verein hat sich bewährt und wird weiter gebraucht.

Sie zeigen auf der jungen Kunstmesse Positions Berlin die Jubiläumsausstellung des Landesverbandes, weil ...

es dort eine ideale Form der Öffentlichkeit gibt. Eine Win-win-Stuation für die Messe wie für den Verband. Jeder Messebesucher - und wir rechnen mit mindestens 20 000 Gästen - wird auch unsere Ausstellung „Katzengold“ mit Arbeiten aus 40 Berliner Galerien wahrnehmen.

Was sind die dringlichsten Aufgaben des Landesverbandes?

Ich glaube, dass wir nach wie vor auf die Bedeutung von originärer Galeriearbeit hinweisen müssen. Darauf, was Berlins Galerien leisten, wenn sie jeden Tag eintrittsfrei die Türen öffnen, um 3000 Ausstellungen pro Jahr auf einer Fläche von 60 000 Quadratmetern zu zeigen und so einen gesellschaftlichen Kulturauftrag erfüllen. Zum weltweiten Nutzen der Stadt. Im größten Museum der Stadt!

Und wenn Sie Galeristen Ihr Ohr leihen?

Dann möchten sie, dass wir uns dem veränderten Markt für die Galerien stellen. Dass wir ihn überblicken und mit sinnvollen Initiativen für den Berufsstand begleiten. So, wie wir es gerade mit der Initiierung des „Artist in residence“-Programms im Außenministerium geleistet haben oder mit der anstehenden Online-Einführung des bekannten Galerienfolders „Berliner Galerien + Museen“ mit Unterstützung des Wirtschaftssenats.

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