• Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

Gallery Weekend : Die amerikanischen Freunde

26.04.2012 00:00 Uhrvon
Antagonisten. „The Unknown Painter and The Muse Will Never Meet“ hat Julian Schnabel sein großes Gemälde (290 x 345<ET>cm) von 2005 genannt. Er zeigt es in der Galerie Contemporary Fine Arts.Bild vergrößern
Antagonisten. „The Unknown Painter and The Muse Will Never Meet“ hat Julian Schnabel sein großes Gemälde (290 x 345<ET>cm) von 2005 genannt. Er zeigt es in der Galerie Contemporary... - Foto: CFA/VG Bild-Kunst,2012

51 Galerien laden an diesem Wochenende gleichzeitig zur Vernissage - so viele wie nie. Am stärksten sind: US-Künstler wie Julian Schnabel, Jenny Holzer und Robert Longo.

Es beginnt mit einem Paukenschlag. Rechtzeitig zum Gallery Weekend hat sich Contemporary Fine Arts wieder einen internationalen Star gesichert: Julian Schnabel, der seit seiner großen Retrospektive in der Frankfurter Schirn-Kunsthalle 2004 nicht mehr so umfassend präsentiert wurde wie aktuell in den großzügigen Räumen der Galerie. Schnabel, der sich längst auch als Regisseur („Basquiat“, „Schmetterling und Taucherglocke“) einen Namen gemacht hat, wird auf synthetischen Malgründen Schnappschüsse von indischen Gottheiten oder historischen Gemälden zeigen, die er selbst aufgenommen hat.

Solche „Fragmente der Welt“ dienen dem Künstler als Ausgangspunkt für neue, eigenwillige, häufig widerstrebende Kombinationen, in denen die Malerei selten mit dem zugrunde liegenden Motiv zusammengeht.

Schnabel liebt solche Zergliederungen. Schon Anfang der achtziger Jahre arbeitete er so, zerschlug Teller auf der Bildoberfläche. Mit seinen überdimensionierten Gemälden ging er dann allerdings nach Köln und stellte unter anderem in der Galerie von Max Hetzler aus.

Hetzler ist längst nach Berlin gezogen, aber die alten biografischen Eckdaten erzählen viel von der historischen Achse Rheinland – New York. Ende der Neunziger hat das Museum Ludwig sie in der Schau „I love New York“ noch einmal beschwören wollen und Kritik für diese kecke Form der Aneignung geerntet. Wenn man sich nun zum Auftakt des Gallery Weekend, das am Freitagabend mit 51 gemeinsamen Eröffnungen startet, die Liste der teilnehmenden Künstler anschaut, kommt einem diese Idee: Berlin ist der neue Fixpunkt für den kommunikativen Austausch zwischen den Metropolen.

Die großen Namen und Anstrengungen hinter all diesen Eröffnungen spiegeln jedoch noch mehr. Seit 2005 hat das Gallery Weekend kontinuierlich an Renommee gewonnen. Mit den Wegfall der jährlichen Herbstmesse Art Forum ist es endgültig unentbehrlich geworden. Der Akzent liegt nun auf dem Frühjahr, entsprechend gewichten die Berliner Galeristen diesen konzentrierten Termin. Die zahlreichen individuellen Dinner sprechen ebenso davon wie das gemeinsame Abendessen, zu dem das Weekend über 1000 Gäste lädt.

Auch die Künstler schicken Neues, Ungewohntes. Von Jenny Holzer kennt man zwar jene hypnotischen LED-Skulpturen, wie sie in der Galerie Sprüth Magers steht. In schneller Folge präsentiert „Monument“ (2008) immer neue Versatzstücke aus den Protokollen amerikanischer Geheimdienste. Verhört wurden vermeintliche Attentäter aus dem Nahen Osten. Zusätzlich zeigt die Konzeptkünstlerin allerdings eine Serie von Bildern, die ein Novum sind: Holzer gibt „Top Secret“-Akten übergroß wieder und übermalt all jene Stellen, die vor der Veröffentlichung geschwärzt worden sind, noch einmal mit fließenden Farbverläufen. Das Ergebnis sind delikate Abstraktionen, deren Schönheit nur für einen Moment die Brutalität der Dokumente überstrahlt. Sobald man „Waterboard“ liest oder entziffert, dass 180 Tage Schlafentzug ein probates Mittel für ein Geständnis sind, kippt jede Ästhetik. Das ist ganz in Holzers Sinn.

Alle Folgen von Jam’in’Berlin

Tagesspiegel twittert

Empfehlungen bei Facebook

Weitere Themen aus der Kultur

Service

Der Tagesspiegel im Sozialen Netz

Alle Tickets für Berlin und Deutschland bequem online bestellen!

Tickets hier bestellen | www.berlin-ticket.de