Gallery Weekend in Berlin : Sie kamen und sie blieben

Ein Wochenende lag zeigen die Berliner Galerien, was sie zu bieten haben. Wir zeigen Ihnen, was es wo zu sehen gibt und welche Themen am Gallery Weekend wichtig sind.

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Blick in die Galerie Mehdi Chouakri mit einem Werk vonPhilippe Decrauzat. Über 50 Galerien laden zum Gallery Weekend ein.
Blick in die Galerie Mehdi Chouakri mit einem Werk vonPhilippe Decrauzat. Über 50 Galerien laden zum Gallery Weekend ein.Foto: Britta Pedersen/dpa

54 Galerien nehmen offiziell am Gallery Weekend teil und eröffnen am heutigen Freitag zeitgleich ihre Ausstellungen von 18 – 21 Uhr. Am Samstag und Sonntag stehen alle Räume von 11 – 19 Uhr offen. Hotspots sind die August- und die Linienstraße, die Potsdamer Straße und das Kreuzberger Galerienhaus in der Lindenstraße. Die Galerie Crone eröffnet in der Rudi Dutschke-Straße eine Schau mit Arbeiten der 2009 verstorbenen Konzeptkünstlerin Hanne Darboven, die am 29. April ihren 75. Geburtstag gefeiert hätte. Bei Meyer Rieger in der Friedrichstraße ist die Ausstellung „mare nostrum“ der Schweizer Malerin Miriam Cahn zu sehen. Mehr Infos: www.gallery-weekend-berlin.de. Auch andere Berliner Galerien bleiben an den drei Tagen geöffnet. Im Rahmen der Paper Positions präsentieren sich 22 von ihnen zusätzlich mit Papierarbeiten u. a. von Bernard Schultze, August Macke oder Eun Nim Ro im Bikini Berlin am Breitscheidplatz. Weitere Informationen: www.xpositions.de

Berlin ist rau, aber schön, lautet die Liebeserklärung des Sammlers Désiré Feuerle an die Stadt. Richtig verguckt hat sich der Kölner Galerist und Kunstberater in einen ehemaligen Bunker am Landwehrkanal, der bis in die sechziger Jahre vom Senat als Depot genutzt wurde und seitdem leer stand. Ein bizarrer Ort, er ist nun die nächste angesagte Kunstlocation der Stadt. Der Betonklotz ist in der Tat rau, schön wird er durch Feuerles Kollektion asiatischer Kunst und Möbel, die der Sammler zum Gallery Weekend erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Von Spotlights angeleuchtet, erstrahlen in der unterirdischen Dunkelheit die antiken Schränke, Tische und Skulpturen wie edle Prunkstücke, als handele es sich um ein Sanktuarium. Nach Christian Boros hat damit ein weiterer Sammler einen Bunker für die Kunst erschlossen und die Gegensätze der Stadt spektakulär auf den Punkt gebracht, die Berlin für Künstler, Galeristen und das Publikum so attraktiv machen.

Ab diesem Freitag zeigen die Galerien wieder drei Tage lang das Beste und Interessanteste, was sie zu bieten haben, öffnen Privatsammler ihre Räume, präsentieren etliche Ausstellungshäuser ein Sonderprogramm. Für die angereisten Besucher wird das Angebot beim Gallery Weekend zum Marathon, hinzu kommen Empfänge, Dinner, Sonderführungen. Auch Chris Dercon macht mit: Der langjährige Tate-Modern-Chef und designierte Nachfolger Frank Castorfs an der Volksbühne geleitet eine Gruppe durch die Galerien. Die Berliner selbst haben länger Zeit, um sich die Ausstellungen in Ruhe anzuschauen, wenn der große Rummel vorüber ist.

Der Konkurrenzdruck unter den Galeristen steigt

Auf unseren Sonderseiten (Tagesspiegel vom 29.04.2016) zum Gallery Weekend haben wir eine erste Auswahl getroffen und Ausstellungen von Ernst Wilhelm Nay, Carsten Nicolai, Anselm Reyle, Tobias Zielony, Martin Honert sowie Sebastian Stumpf gesichtet. Wir sind nicht nur in Désiré Feuerles Bunker gestiegen, sondern haben auch Axel Haubroks Fahrbereitschaft in Lichtenberg aufgesucht und Arno Morenz’ Lettristen-Sammlung in einer Charlottenburger Altbauwohnung kennengelernt.

Zum Gallery Weekend gehören das Schauen, das Feiern, das Gespräch. Dass es in Berlin nicht einfach ist, davon ist dieser Tage häufig die Rede. Die Stadt verdichtet sich, der Konkurrenzdruck auch unter den Galeristen steigt. Manches Gründerglück verblasste schnell, mancher Enthusiast der ersten Stunde musste seinen Showroom schließen – auch solche, die mit namhaften Künstlern zusammenarbeiteten. Wir fragen nach den Gründen und was sich ändern muss, damit Berlin seine Galeristen hält, diejenigen, die das Gallery Weekend überhaupt ermöglichten. Viele Künstler, viele Sammler, die heute den Ruf der Kunststadt Berlin prägen, kamen in ihrem Tross und blieben. Nicola Kuhn

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