Gallery Weekend : Zeigen, was man hat

Das vierte „Gallery Weekend“ in der Hauptstadt setzt Maßstäbe. Berlins Galerien bitten Samstag und Sonntag zum Kulturmarathon.

Christiane Meixner

Unten züngelt schwarzes Wasser an der Kaimauer, oben zündet die Galerie Andersen’s Contemporary ihre Partylichter an. Nebenan justieren die Mitarbeiter von Arndt und Partner noch die Projektoren für Julian Rosefeldts umwerfende Videoarbeit „The Ship of Fools“, die sich mit der wechselhaften Geschichte von Schloss Sacrow beschäftigt und dort vergangenen Sommer auch zu sehen war.

Jetzt läuft sie in jenem lässig renovierten Segment, das Arndt und Partner in der „Halle am Wasser“ für sich reserviert haben. Die Zimmerstraße bleibt Hauptstandort der Galerie, aber wer weiß, wie sich das neue Kunstquartier an der Heidestraße entwickelt. Wird es, wie alle hoffen, zu einem neuen Magneten, so hat man hier ein imposantes Spielbein.

Noch ist das Areal hinter dem Hamburger Bahnhof charmant kaputt, doch die sechs hier ansässigen Galerien wie Jamurschek und Partner oder Wohnmaschine haben nicht ohne Grund in den letzten Tagen geschuftet, um die Halle nun ausgefegt und eingeräumt präsentieren zu können: Es ist „Gallery Weekend“.

Längst liegt an diesem langen Wochenende der Fokus der internationalen Kunstwelt auf Berlin. Über 10 000 Besucher sollen beim letzten Mal unterwegs gewesen sein, die Galerien haben prächtig verkauft. Was sich zwei Dutzend von ihnen vor vier Jahren ausdachten, um einen frühlingshaften Kontrapunkt zum Art Forum zu setzen, ist ein echtes Highlight geworden: Man zeigt seine Stars. So wie die Galerie Neugerriemschneider mit einer neuen, spektakulären Installation von Olafur Eliasson, der gerade seine erste große Einzelausstellung im MoMA hat. Galerist Raffael Jablonka offeriert mit Nobuyoshi Araki einen Meister der Fotografie, und Max Hetzler widmet der international renommierten Künstlerin Mona Hatoum eine Schau mit neuen, verstörenden Arbeiten in seinen temporären Hallen in den Osram-Höfen.

Dass sich das Gallery Weekend wie ein Virus ausbreitet und immer mehr nicht assoziierte Galerien zum offenen Wochenende animiert, ist allerdings nicht nur einem neugierigen Publikum geschuldet. In Berlin wird es eng, im Schnelltakt eröffnen Dependancen internationaler Größen wie Sprüth Magers oder Gisela Capitain neben Newcomern. Und mit jeder neuen Galerie buhlen ein paar mehr Künstler um verhältnismäßig wenige zahlende Sammler. Die Konsequenz: Es gibt exklusive Vorbesichtigungen, Pressekonferenzen in den Galerien, und immer mehr PR-Agenturen weisen im Auftrag und mit freundlichem Nachdruck auf die nächste Ausstellung hin. Potente Galerien machen vor, wie das globale Geschäft mit der Kunst funktioniert. Wer da nicht mithalten kann oder will, der braucht andere Strategien und dockt zum Beispiel an das Gallery Weekend an. So ist aus dem kleinen, erlesenen Kreis echte Gruppendynamik geworden und stehen inzwischen an über 100 Adressen die Türen heute und morgen offen.

Zu sehen gibt es viel und Spannendes, nicht nur bei den festen Weekend-Größen. Die Galerie Christian Nagel (Weydinger Straße 2) stellt Malerei von Merlin Carpenter vor, nebenan zeigt Warren Neidich bei Magnus Müller, wie sich das visuelle Empfinden in der Kunst verändert: Seine breiten, mit Farbe durchtränkten Pinsel imitieren die Verläufe von Regenbögen eines Rubens, Ruisdael oder Elsworth Kelly. Und dann wartet natürlich die „Halle am Wasser“, wo sich unter anderem die indische Galerie Bodhi niedergelassen hat. Andersen’s Contemporary schließlich ist ein großartiges Beispiel dafür, wie sich Berlins Vergangenheit und Gegenwart verschränken: In den neunziger Jahren stellte der Däne Claus Andersen in seiner Wohnung in Mitte aufregende Künstler wie Katja Strunz oder Anselm Reyle vor. Als Galerist lädt er dieselben Künstler nun noch einmal in seine neuen Räume ein.

Gallery Weekend, Samstag und Sonntag jeweils von 10 bis 19 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben