Kultur : Ganz in Zahnweiß - "Verlorene Liebesmüh" als Musik-Revuefilm

dm

Kenneth Branagh, dessen Shakespeare-Passion vor zwölf Jahren mit "Heinrich V." begann und zuletzt bei "Hamlet" innehielt, hat sich der besonders leichten Komödie Verlorene Liebesmüh angenommen. Doch die Liebessatire, in der man die überschwängliche Sprachlust des jungen Shakespeare in jedem Satz zu spüren meint, ist bei Branagh zu einem studiosauberen Musik-Revuefilm mit viel Evergreenschmalz und den Kostümen der Snowball-Comedies der Dreißiger Jahre mutiert. Was bleibt da von dem "Bürgerkrieg des Witzes", wie die französische Prinzessin das Gefecht nennt, das sie am Hofe von Navarra auszutragen hat? Zusammen mit ihren drei Gefährtinnen ist sie dorthin gereist, um für ihren kranken Vater, dem König von Frankreich, staatsgeschäftlich zu verhandeln. Weil der junge Navarra und seine Vertrauten aber soeben die Welt der Politik verlassen und einen Eid auf die Wissenschaft geschworen haben - jeder Kontakt mit Frauen wäre tödlich - muss den Gästen ein Empfang bei Hof verwehrt bleiben. Natürlich kommt alles anders, als die Männer denken. Bei Branagh verraten die Tanzeinlagen der vier immer frisch gebadeten Sonnyboys von Navarra (Kenneth Branagh, Matthew Lillard, Alessandro Nivola und Adrian Lester) zwar ebensoviel Präzision wie Lust am Spiel, doch mehrt sich bald das Unbehagen über die ganze Energie, die man in Haargel und Zahnweiß verpuffen sieht. Und dass er den Ernst, den er bei Shakespeares nicht finden wollte, mit Schwarzweißbildern von inszenierten Wochenschauen des heraufziehenden Zweiten Weltkrieg dazu bastelt, macht die Sache nicht besser.

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