Kultur : Ganz Paris singt von der Liebe

Wie französische Musik nach Deutschland kommt.

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Die Geschichte ist fast zu schön, um wahr zu sein. 2005 gründete die reiche Pharmaunternehmerin Nicole Bru eine Stiftung zur Erforschung und Förderung französischer Musik des 19. Jahrhunderts, kaufte in Venedig einen Palazzetto, ließ ihn historisch korrekt als Stiftungssitz renovieren und stattete die Einrichtung mit einem Jahresbudget von drei Millionen Euro aus. Die dürfen Direktor Alexandre Dratwicki und sein Team nun für Projekte der angewandten Musikwissenschaft ausgeben. Für Kooperationen mit Universitäten, für Symposien, für Nachdrucke bedeutender Publikationen wie die Herausgabe quellenkritischer Partituren, CDs und Fachbücher. Vor allem aber will der „Palazzetto Bru Zane“ zu Unrecht in Vergessenheit geratene Musik aus der Zeit zwischen 1780 und 1920 wieder zum Klingen bringen. 300 Konzerte unterstützt die Stiftung in dieser Saison weltweit, 46 davon werden in Deutschland stattfinden.

Ein spektakuläres Projekt ist die Gegenüberstellung von Richard Wagners „Fliegendem Holländer“ mit dem „Vaisseau fantôme“ von Louis Dietsch. 1842 entstand das Werk des Pariser Komponisten nach dem Prosa-Entwurf des „Holländers“, den Wagner aus Geldnot der Pariser Oper verkauft hatte. Marc Minkowski wird beide Werke in Versailles, Grenoble und Wien interpretierten, die Deutsche Oper Berlin plant eine eigene konzertante Aufführung am 4. Juni unter der Leitung von Enrique Mazzola. Bereits am 25. Mai wird der Berliner Staatsopernchor in der Gethsemanekirche Mozarts „Kyrie“ mit dem „Requiem“ von Théodore Gouvy kombinieren, einem Bewunderer von Brahms und Schumann, der sich ganz der autonomen, also weder von Text noch von inhaltlichen Programmen abhängigen Musik nach deutschem Vorbild verschrieben hatte – und darum von der opernverrückten Pariser Gesellschaft zeit seines Lebens links liegen gelassen wurde.

Als Partner für kammermusikalische Konzerte bot sich in der deutschen Hauptstadt wiederum das Institut Français an. Am heutigen Mittwoch spielen dort um 20 Uhr Rikako Murata und Pascal Devoyon vierhändig Werke von Gouvy, Bizet und Ravel, am 3. Mai erklingen am Ku’damm dann Klavierquintette von Gouvy und César Franck. Frederik Hanssen

Mehr Infos unter: www.bru-zane.com

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