Kultur : Ganz sicher

Kunst und Design in Rotterdam

Nicole Büsing/Heiko KlaesD
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Konkurrenten. „Keeping up with the Koons“ von Artists Anonymous. Foto: Ronmandos

Auf der Erasmusbrücke, die die Rotterdamer Innenstadt mit den alten Überseekais verbindet, herrscht Dauerstau. Zur 10. Art Rotterdam kommen die Besucher eben gern mit dem Auto. In diesem Jahr setzt die Messe auf Synergieeffekte: Einen Tag vor der Kunstmesse eröffnete die kleine und rein niederländische Designmesse „Object“ in den ehemaligen Fruchthallen am Hafen. Das Angebot dort ist, von einigen puristischen Entwürfen abgesehen, oft verspielt und dem Gag verpflichtet. Vielleicht sollte man weniger Schmuck und Porzellannippes zeigen, denn die Stärken der niederländischen Szene liegen eindeutig im Möbel-, Produkt- und Alltagsdesign. Auch wenn bei der Designmesse nachgebessert werden muss: Die Zusammenführung der beiden Veranstaltungen ist ein guter Schachzug, um Designliebhaber auf die Kunstmesse zu locken. Und umgekehrt.

Auch in diesem Jahr gelingt es der Art Rotterdam, das überwiegend niederländische und belgische Publikum zum Cruise Terminal zu locken. 73 Galerien aus 10 Ländern sind angereist. Sensationelle Neuheiten und frische Namen entdeckt man aber nur selten. Messedirektor Michael Huyser räumt ein: „In diesem Jahr sind viele Galerien auf Nummer sicher programmiert.“ So setzen zahlreiche Händler auf eingeführte Namen oder bringen wie der Amsterdamer Willem Baars kunsthistorisch abgesicherte Editionen von Lucio Fontana, Robert Rauschenberg oder Joseph Kosuth mit.

Für Irritation sorgte die Entscheidung der Messeleitung, die Standgebühren um mehr als 20 Prozent anzuheben und auch die zusätzliche Kostenpauschale pro Stand kräftig zu erhöhen. Galerien wie Upstairs aus Berlin blieben der Art Rotterdam deshalb aktuell fern – obwohl die Messe in den vergangenen Jahren ein großer Erfolg für Upstairs war. Probleme, die Lücken zu füllen, hatten die Rotterdamer zwar nicht. Der Preis, den sie dafür bezahlt, ist jedoch eine stärkere Regionalisierung.

Aus Berlin kommen in diesem Jahr nur die Kunstagenten mit einer Solopräsentation von Thorsten Brinkmann. Galerist Andreas Wiesner freut sich über etliche Verkäufe und Reservierungen: „Brinkmann hatte im vergangenen Jahr eine Einzelausstellung in Den Haag.“ Das sorgt für Resonanz bei niederländischen Kuratoren und Sammlern. Fotografien seiner temporären Skulpturen, die Brinkmann mit großer Leichtigkeit aus gefundenen Materialien zusammenbaut, kosteten zwischen 2200 und 6600 Euro. Nicole Büsing/Heiko Klaes

Art Rotterdam, noch bis 8.2.; Weitere Infos unter : www.artrotterdam.nl

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