GARAGENROCKArctic Monkeys : Augen zu und durch

Jörg W,er

England hat es einfach besser in Sachen Pop. Wenn hierzulande Finanzminister Peer Steinbrück verlauten ließe, er bevorzuge als morgendlichen Muntermacher die letzte Platte von, sagen wir, Madsen, würde diese Notiz für keinen der Beteiligten glamouröse Nebeneffekte haben. Als Gordon Brown letztes Jahr Ähnliches über die Arctic Monkeys sagte, dürfte halb England dem damaligen Noch-Schatzkanzler zu seinem erlesenen Geschmack gratuliert haben. Selbst in einer mit unwetterartig hereinbrechenden Hypes reich gesegneten Poplandschaft waren die Arctic Monkeys einzigartig: vier kaum der Pubertät entwachsene Working- Class-Lümmel aus Sheffield, die nach einer im Internet angefachten Fanhysterie mit ihrer Garagenrock-Platte das am schnellsten verkaufente Debüt der britischen Popgeschichte landeten.

Anstatt in die branchenüblichen Grübeleien über die Bürde des Nachfolgealbums zu verfallen, haben die Arctic Monkeys nicht lange gefackelt: Nur 15 Monate später ist „Favourite worst Nightmare“ ein ebenso selbstverständlich großartiger Zweitling wie „With The Beatles“ vor über 30 Jahren. Die musikalische Kernkompetenz liegt immer noch bei diesen unnachahmlich scheppernden, spontan hitverdächtigen Zweieinhalbminuten-Dreschern wie „Brianstorm“ oder „D is for Dangerous“, deren ausufernde Textzeilen Sänger Alex Turner verächtlich ins Mikro spuckt. Und mit dem psychedelisch schnurrenden Schleicher „Only ones who know“ und dem erhabenen Breitwandpop von „505“ erschließen die Wunderknaben ganz ohne Verrenkungen neues Territorium. England, Du hast es wirklich besser! Jörg Wunder

Columbiahalle, Mo 9.7.,

21 Uhr, 25 € + VVK DN410

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