Kultur : Geben und Nehmen

Kaum zwei Wochen nach seiner offiziellen Amtseinführung hat der neue Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), Klaus-Dieter Lehmann, auf seiner ersten Jahrespressekonferenz bereits weitreichende Veränderungen verkündet.Sie betreffen in erster Linie die Bauvorhaben auf der Museumsinsel in Berlin-Mitte, die Struktur der Staatsbibliothek und die Reform der Stiftungsverwaltung.Was die Museumsinsel betrifft, so soll - nach Absprache mit den auf der Insel agierenden Architekten (Chipperfield, Hilmer & Sattler und Tesar) - ein neuer Masterplan entstehen.Wichtigste Neuerung dabei ist das Vorhaben, an der Rückseite des Neuen Museums ein zusätzliches Gebäude zu errichten, in dem die Infrastruktureinrichtungen und Besucherbetreuung untergebracht werden sollen."Wir brauchen die bestehenden Gebäude ausschließlich für museale Zwecke", begründete Lehmann dieses neue Vorhaben.In diesem Zusammenhang kündigte der neue Präsident an, daß er beabsichtige, den Realisierungszeitraum für die Sanierung der Gebäude auf der Museumsinsel von bisher kalkulierten 15 bis 20 Jahren auf zehn Jahre zu reduzieren: "Dies erfordert eine schnellere Verfügbarkeit der Baumittel.Insofern sind wir da von unseren Geldgebern, insbesondere der Bundesregierung, abhängig", so Lehmann.In der Übergangszeit sollen immer mindestens zwei Museen "vollständig geöffnet" sein.Für zwei von ihnen nannte Lehmann angestrebte Eröffnungstermine: das Jahr 2001 für die Alte Nationalgalerie sowie das Jahr 2004 für das Bode-Museum.Der Präsident betonte, daß über den Aktivitäten in der Mitte Berlins der Museumsstandort Dahlem nicht vernachlässigt werde: "Wir wollen mit einem Konzept zur Ent-Exotisierung der angeblich exotischen Kulturen beitragen", erläuterte Lehmann.In der ersten Jahreshälfte 2000 sollen sowohl das Ostasiatische als auch das Indische Museum wiedereröffnet werden.Ihr Aufgehen in dem Völkerkundemuseum, so Lehmann, sei nie ernsthaft erwogen worden.Außerdem kündigte Lehmann mittelfristig die Eröffnung eines "Museums für Europäische Kultur" am Kulturforum in Berlin-Tiergarten an.Dieses soll die Europaabteilung des Völkerkundemuseums und die Bestände des früheren Museums für deutsche Volkskunde aufnehmen.

Schon vor seinem Amtsantritt hatte Lehmann eine weitreichende Reform der Berliner Staatsbibliothek angedeutet.Eine Arbeitsgruppe hat nun erste Vorschläge gemacht.Danach ist das Haus Unter den Linden in Zukunft in erster Linie "Bestandszentrum für historische und wissenschaftliche Forschung".Dort sollen die Bestände der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek und materialbezogene Sondersammlungen untergebracht werden.Das Haus an der Potsdamer Straße hingegen soll in Zukunft die Aufgaben "einer modernen wissenschaftlichen Universalbibliothek" erfüllen.Die Leseplätze sollen dort dafür verdoppelt, die On-Line-Nutzung der Kataloge vorangetrieben werden.Bis zum Jahr 2004 soll außerdem "auf der grünen Wiese" (Lehmann) ein drittes Gebäude entstehen, eine sogenannte "Speicher-Bibliothek", die bis 2010 ihre Funktion als Lagerstätte für weniger häufig genutzte Schriften übernehmen soll.Dadurch würden kostenintensive Magazinflächenerweiterungen in den vorhandenen Gebäuden entbehrlich, was zu Einsparmöglichkeiten bei den Baukosten in Höhe von etwa 700 Millionen Mark führen könnte.

Im Zuge der Verwaltungsreform der Stiftung kündigte Lehmann an, die Personal- und Haushaltsverwaltung in Zukunft direkt beim Präsidenten und nicht mehr beim Generaldirektor der Staatlichen Museen anzusiedeln.Damit solle diese Position, die zur Zeit von Wolf-Dieter Dube besetzt wird, "entlastet" werden, um sich in Zukunft vor allem inhaltlichen Aufgaben zu widmen.

Der Haushalt der Stiftung beläuft sich für 1999 auf gut 400 000 Millionen Mark.Darin enthalten ist ein Zuwachs von 20 Prozent, der aber ausschließlich die Baumittel betrifft.Für die Zukunft wünscht sich Lehmann ein verstärktes Engagement aller Stiftungsträger, des Bundes und der Länder, offeriert jedoch, "nach dem Prinzip Geben und Nehmen" auch ein attraktiveres Angebot.

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