Geburtstag : Schauspielerin Katrin Saß wird 50

Katrin Saß feiert genau so Geburtstag, wie man es einer Schauspielerin wünscht. Am Montag wird sie 50, und das ZDF zeigt zur besten Sendezeit (20.15 Uhr) ihren neuesten Krimi.

Berlin - "Unter anderen Umständen" ist die Geschichte um ein verschwundenes und schließlich tot aufgefundenes Kind. Katrin Saß spielt an der Seite von Nathalie Wörner alias Kommissarin Jana Winter die Hilla Bendixen.

Vor fast genau 25 Jahren stand Katrin Saß zum ersten Mal auf den berühmten Brettern, die die Welt bedeuten - am Heinrich-Kleist-Theater in Frankfurt (Oder). Eine Unbekannte war die frisch gebackene Schauspielschul-Absolventin da nicht mehr. Schon 1979 hatte Defa-Regisseur Heiner Carow sie für seinen Film "Bis dass der Tod euch scheidet" vor die Kamera geholt. Katrin Saß mimt in dem für DDR-Verhältnisse ungewöhnlich realistischen Beziehungsdrama die Verkäuferin Sonja, die sich verzweifelt gegen das langsame Zerbrechen ihrer Ehe wehrt. Für die Schauspielerin brachte der heiß diskutierte Streifen noch vor Abschluss des Studiums den Aufstieg in die Kategorie "exzellente Charakterdarstellerin".

Die blieb sie: Neben Engagements an Theatern in Frankfurt, Halle und Leipzig spielte Saß bis zur Wende fast ausschließlich in erstklassigen Filmen, darunter in "Die Verlobte" und "Fallada - das letzte Kapitel". Für ihre Rolle als allein stehende und um das Sorgerecht für ihre Kinder kämpfende Arbeiterin in "Bürgschaft für ein Jahr" bekam sie 1982 den Silbernen Bären der Berlinale.

1998 feuerte sie der ORB - wegen Alkoholsucht

So hätte es weiter gehen können. Katrin Saß war auch nach der Wende gut im Geschäft, unter anderem als Kommissarin Tanja Voigt im "Polizeiruf 110" des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg (ORB). Stattdessen kam der Absturz: 1998 flog die Schauspielerin beim ORB raus, weil ihre Alkoholsucht nicht länger zu verbergen war. "Es war wahnwitzig. Wenn ich früh zum Dreh ging, trank ich Sekt, griff nach den Pimentkörnern und fühlte mich danach sicher. Die Angstzustände waren weg, die schweißnassen Hände auch. Nun kann's keiner mehr merken, dachte ich. Ein Irrtum", sagt sie über diese Zeit. Nach einem Zusammenbruch zog Katrin Saß die Notbremse und war ein Jahr später als Hermine Kraithaim in der Literaturverfilmung "Klemperer - ein Leben in Deutschland" wieder an Deck.

Ihr wirkliches Comeback aber brachte 2001 die "Heidi M.". In der Regie von Michael Klier zeichnet die Schauspielerin das Porträt einer Ostberliner Kioskbesitzerin zwischen Freude, Hoffnung und Verzweiflung so eindringlich, dass es zuweilen weh tut zuzuschauen. Für die "Heidi M." wurde Katrin Saß mit dem Deutschen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin geehrt.

Für "Good Bye, Lenin!" bekam Saß 2003 den Europäischen Filmpreis

An ihre großen Erfolge knüpfte Saß nicht nur mit "Heidi M." beinahe nahtlos an. Sie arbeitete sowohl für das Fernsehen als auch das Kino. 2003 spielte sie die kranke Familienmutter in Wolfgang Beckers Kultfilm "Good Bye, Lenin!" - und bekam einen Europäischen Filmpreis. Daneben kehrte sie immer wieder auf die Bühne zurück.

Im vorigen Jahr etwa zeigte sie mit ihrem Bühnenprogramm "Fahrt ins Blaue" in der Berliner "Bar jeder Vernunft", dass sie gerne und nicht übel Schlager singt - auch solche wie "Griechischer Wein" und "Martin". Und in diesem Sommer brillierte sie im hauptstädtischen Admiralspalast in Klaus Maria Brandauers "Dreigroschenoper"-Inszenierung als Mrs. Peachum. Die Inszenierung Brandauers war umstritten. Für Mrs. Peachum aber vergab das Feuilleton durchweg "Bestnoten". (Von Tamara Bartlitz, ddp)

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