Geccellis Toskana-Aquarelle : Ferienkunst

Der Berliner Maler Johannes Geccelli ist 2011 verstorben. Bekannt wurde er mit monochromen Farbstudien. Seine Aquarelle sind eher unbekannt. Diese Werke wurden der Graphischen Gesellschaft zu Berlin geschenkt und können jetzt im Kupferstichkabinett eingesehen werden.

Anna Polze
Geccellis Aquarelle befinden sich jetzt im Kupferstichkabinett im Kulturforum
Geccellis Aquarelle befinden sich jetzt im Kupferstichkabinett im KulturforumFoto: DAVIDS/Sven Darmer, 25.03.2014

Johannes Geccelli war kein klassischer Urlauber, erzählt seine Witwe. Ständig suchte er Abwechslung fürs Auge, wollte neue Blicke einfangen, Städte bereisen. Die Einladung eines Freundes in ein Ferienhaus in der Toskana nahm der Berliner Maler deshalb nur zögerlich an. 1988, kurz nach seiner Pensionierung von der Hochschule der Künste, reiste Geccelli zu der abgeschiedenen Hütte. Dort erlernte er nicht nur das Entschleunigen, sondern versuchte sich auch im Aquarellieren. Er fand so viel Gefallen daran, dass bis 1992 eine Reihe Toskana-Aquarelle entstand.

Erholung vom Eigenstil

Diese Serie hat der 2011 verstorbene Künstler der Graphischen Gesellschaft zu Berlin vermacht. Sie befindet sich nun im Kupferstichkabinett und kann dort eingesehen werden. Seine Witwe Regina Geccelli hat die Werke nun noch einmal öffentlich präsentiert. Die „kleinen Blätter“, wie Geccelli die Aquarelle in seinen Tagebüchern nennt, sind Bilder der Unbeschwertheit. Nach jahrelanger Arbeit an monochromen Farbstudien, mit denen Geccelli bekannt wurde, bedeuten sie eine Erholung vom Eigenstil. Es sind Ferien von der Radikalität der Abstraktion. Aquarellieren ist „visuelles Einüben“, schreibt der Maler.

Ein Blick aus dem Fenster

Dafür genügt ein Blick durch das Fenster des Häuschens: hinaus auf ein gepflügtes Feld, ein Bäumchen am Wegesrand, eine Hügelkette. Immer wieder hat Geccelli dieses Motiv gemalt. In den ersten Werken ist der Fensterrahmen noch Teil der Komposition. So schnell kann sich Geccelli noch nicht von der Geometrie lösen, er braucht das Fenster als Reaktionsfläche, als Stütze. Dann reicht sein Blick weit in den Horizont. Er trifft auf die satten Farben der italienischen Landschaft, Ockergelb, saftiges Grün und erdiges Braun. Der Künstler hat die Aquarelle einmal so beschrieben: „Die Bilder sind der Geccelli, die Aquarelle der Johannes.“ Johannes, der Urlauber.

Kupferstichkabinett, Kulturforum, Di bis Fr 10 – 18 Uhr, Sa / So 11 – 18 Uhr.

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