Kultur : Gedeckelt

Harte Zeiten für Kultur. In Trier müssen die "Antiken-Festspiele", die immerhin Elke Sommer und Guildo Horn zu ihren Protagonisten zählen dürfen, finanziell ganz kräftig Federn lassen. In New York läuft jetzt nach nur einem Monat sang- und klanglos das Musical "Jeeves" aus: Andrew Lloyd Webber und Alan Ayckbourn, eben noch die erfolgreichsten Autoren der Welt, haben als letzten Hoffnungsanker nur noch Heilbronn, wo das Opus, das sich um ein "Internationales Treffen christlicher Banjospieler" dreht, am Wochenende seine deutschsprachige Erstaufführung erlebte. Harte Zeiten überall. In Madrid kündigen sich die Direktoren der Staatsoper und des Prado vor der streitbaren spanischen Kulturministerin Pilar del Castillo in Sicherheit. Und in Berlin? Darf man sich schon mal auf eine längere Durststrecke einstellen. Der Kulturetat scheint, was man so aus den schrecklich schwierigen Ampel-Verhandlungen hört, bestenfalls mit einer Nullnummer rechnen zu dürfen. Deckeln nennt man das. Es hieße, dass die Berliner Kulturmittel Jahr für Jahr um den Betrag schrumpfen, den die Tariferhöhungen in Anspruch nehmen. Beispiel Staatsoper: Käme es zur Deckelung, dann wäre das, auf fünf Jahre berechnet, eine faktische Kürzung von 10 Millionen Mark, bei einem Jahresetat von 84 Millionen Mark. Kaum zu schaffen. Dabei hat man gehofft, dass die Kultur mit einem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit einen standhaften Anwalt fände. Doch wie es aussieht, hat Wowereit bald das Hamburger Problem: dass keiner mehr in Berlin Kultursenator werden - oder bleiben will, unter diesen Bedingungen. Es sei denn, der Posten fiele bei dem Ampel-Durcheinander plötzlich der FDP zu; da ist man zwar besonders flexibel, müsste aber erst einmal nach einem Kulturmann oder einer Kulturfrau auf die Suche gehen. Natürlich, auch Kulturjournalisten sind es Leid, das ewige Lamento der Kultur-Kürzung und der politischen Inkompetenz zu singen. Deshalb, zur Auflockerung der Kandidatensuche, ein sprechender Witz von einiger Symbolkraft. - Ein Mann will im Zoogeschäft einen Papagei kaufen. Was kostet der Blaue? 2000 Mark! So viel? Ja, der kann Französisch und Englisch. Und der Rote? 4000 Mark! Wieso das? Der kann auch noch Steno und Schreibmaschine. Na, sagt der Mann, dann nehme ich den kleinen, gerupften, grauen Papagei da hinten. Der kostet 10 000 Mark, sagt der Verkäufer. Und was kann der so Tolles? Weiß ich auch nicht, aber die anderen Papageien sagen alle Chef zu ihm.

0 Kommentare

Neuester Kommentar