• "Gefährliche Geliebte": Hellmuth Karasek über eine zarte Liebesgeschichte, an der das Literarische Quartett zu zerbrechen droht

Kultur : "Gefährliche Geliebte": Hellmuth Karasek über eine zarte Liebesgeschichte, an der das Literarische Quartett zu zerbrechen droht

Der Roman, der zum größten Eklat in der Geschichte des "Literarischen Quartetts" führte, heißt im Deutschen "Gefährliche Geliebte" (Dumont). Sein Autor ist der japanische Schriftsteller Haruki Murakami, der lange in den USA gelebt und gelehrt und - was nicht unwesentlich ist - Raymond Chandler ins Japanische übersetzt hat. "Gefährliche Freundin", der im Englischen "South of the Border" heißt (nach einem Song von Nat King Cole) ist ein Entwicklungs- und Liebesroman, von einem Mann, der als Zwölfjähriger eine zarte Liebesgeschichte mit Schallplattenhören und Händchenhalten mit einem leicht gehbehinderten Mädchen hat, sie nach kurzer Zeit, weil sie die Schule wechselt, aus den Augen verliert und eigentlich nie vergisst - bis er sie als erfolgreicher Nachtbarbesitzer, inzwischen glücklich verheiratet und Vater zweier Kinder, wiedersieht: Sie ist der ewig verlorene, daher unverzichtbare Jugendtraum von der Liebe. Sie ist, in der Routine des Mannes, die Verheißung des Auswegs - und damit das drohende Chaos, der drohende Tod. Murakamis meist in zartem Ton gehaltener Roman, der die Musikalität von Jazz- und Barmusik besitzt und die realistische Sentimentalität Raymond Chandlers, zeigt einen Mann, der seine Karriere gewinnt und seine Träume verliert. Das Buch zeichnet die Stationen dieses erfolgreichen Geschäftsmanns, der ein Träumer war, nach: über täppische Liebesepisoden in der Jugend, durch Zeiten sinnlicher Exzesse bis zu den Sehnsüchten des etablierten Großstadtbürgers. Wer einen "hocherotischen" Roman, gar ein pornographisches Werk erwartet, wird enttäuscht sein - alle anderen Leser sicher nicht.

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