Kultur : Gefängniszaun aus Tüllgardinen

Starr wie Wellblechzäune stehen die gerafften Spitzengardinen um die Bühne: Silbriger Vorhang eines gepflegten Gefängnisses.Federico Garcia Lorcas "Bernarda Albas Haus" ist Inbegriff einer geschlossenen Gesellschaft: Eine schonungslose Studie in Gruppendynamik und Klaustrophobie.In der Inszenierung Walter Meierjohanns mit Studentinnen des 3.Schauspieljahrgangs am bat Studiotheater ist daraus vor allem eine Charakterstudie geworden: Bernarda Albas fünf Töchter, denen sie für acht lange Trauerjahre jeden Kontakt mit der Außenwelt verbot, sind eine Galerie starker Frauenrollen.Angustias, der Ältesten, gibt Annette Klose den herben Charme einer strengen höheren Tochter, Adela, die Jüngste, erfüllt Sandra Hüller mit irrwischgleichem, offen wollüstigem Leben.Wenn die einzelnen Auftritten trotzdem etwas im Leeren verlaufen, dann deshalb, weil der Rahmen nicht stimmt.Das strenge, an ein Strafgefangenenlager erinnernde Regiment, das Bernarda über ihre Töchter ausübt ("Herzen gehen mich nichts an.Ich will eine schöne Fassade."), kann Solveig Arnarsdóttir in starrer Pose und großer klassischer Geste kaum begründen.Auch der spannendste Konflikt, zwischen der gestrengen Mutter und der ihr vertrauten und doch untergebenen Dienerin Poncia (Katja Zinsmeister), kommt nie recht zum Ausbruch.So entsteht nur einmal, wenn die Töchter in einer hysterischen Stimmung zwischen Weinen und Lachen enden, psychologische Spannung.Oft aber herrscht auf der Bühne nur Geschrei, wo kalte, böse Stille sein sollte.Und die schonungslose Klarheit, mit der Garcia Lorca dieses "Kriegshaus" alleinstehender Frauen zeichnet, zerfällt in Einzelszenen. til

Weitere Vorstellungen: 21./22.Mai, 20 Uhr, bat-studiotheater

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