Kultur : Gefangener des Pop

Ohne Rand und Ende: der Maler Erik Parker bei Arndt & Partner

Peter Herbstreuth

Die Pop Art verschwand dorthin, woher sie kam – ins Design. Jahrzehnte nach Johns, Hamilton, Warhol, dem Lippensofa von Dalí und Sgt.-Pepper’s-Plattencover sind die Innovationen vollbracht. Wer ihnen heute als Künstler folgt, trifft beim Publikum auf Wiedererkennen. Es mag sich daran erfreuen, weil alles so schön bunt aussieht. Nur Kritiker runzeln die Stirn, weil sie mit der Muse der Innovation einen Pakt geschlossen haben, der nach Unterschieden zum Vergangenen verlangt.

In der Galerie Arndt & Partner hat nun der 1968 in Stuttgart geborene Maler Erik Parker mit dem Titel „Rechannelled Sincerity“ einen solchen Unterschied signalisiert. Man findet das Eigentümliche seiner Bildkaskaden nicht an den Oberflächen, sondern in der Emphase des Wiederholens selbst (7200 bis 31500 Euro). Parker macht sich zum Medium von Zitaten, spielt wie ein durchgedrehter Schauspieler fünf Rollen gleichzeitig und zeigt sich als Besessener, der von Archimboldo über Hippie-Girlanden, Comics, Graffiti bis zu Rosenquists Labyrinthen alles in Neonfarben entäußert, was ihm die Eingebung diktiert. Daraus entspringt ein Bildsturz ohne Rand und Ende. Selbst die im Titel versprochene „Ernsthaftigkeit“ liegt im Zitat. Wie Luther vor dem Portal, so steht Parker vor der Leinwand: „Ich kann nicht anders.“ Seine zitatbesessene Ohnmacht ist eine Leiderfahrung.

In Gesprächen bezieht er sich oft auf den Farbzeichner Adolf Wölfli, dessen Schizophrenie es verhinderte, aus dem Rahmen auszubrechen und das Werk in seinen Grundbedingungen zu reflektieren. Wölfli konnte zwar Details ausarbeiten, aber es waren stets die immergleichen fantastischen Kombinationen. Darin folgt ihm Parker: Spiegelungen, Mäander, serielle Reihungen – Wiederholungen eines geschlossenen Universums aus Zitatdelirien. Er öffnet zwar die Malerei massenkulturellen Realitätsfragmenten. Doch kein Imitat bewirkt eine Änderung des Musters. Parkers Popminimalismus erlaubt aber Analogien, von denen seine weltzugewandten Vorgänger nichts wussten. Er macht ihre Welt als verspiegelten Käfig erkennbar und gibt sich als Gefangener des Pop. Darin liegen Kultchancen. Die Ausstellung macht umfassend deutlich, womit man es bei diesem Newcomer zu tun hat. Sein Werk, das in Europa und den USA bereits die Weihe renommierter Museen genießt, hat die Eigenschaft, wie ein einsamer Tänzer traumverloren auf der Stelle zu treten. Im aufgeheizten Malerei-Trend sticht es durch Buntheit heraus. Doch sein Radius trifft sich mit den Malern des Monochromen, die nicht aufhören, das gleiche Bild malen.

Galerie Arndt & Partner, bis 19. Juni; Zimmerstraße 90–91; Dienstag bis Sonnabend 11–18 Uhr.

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