Kultur : Gefühl in Tassen

Trinkkultur: Porzellan im Bröhan-Museum

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Stilvoll. Mategefäß „Heimatland“ um 1910. Foto: Fundación Eduardo A. Durini
Stilvoll. Mategefäß „Heimatland“ um 1910. Foto: Fundación Eduardo A. Durini

Sie sehen aus wie kleine Pokale – nur viel üppiger verziert. Die Matetassen aus Argentinien schimmern rosa, silbern und perlmuttfarben, mit Dekors, die an Rosenbilder in Poesiealben erinnern. Ihre charakteristische Form leitet sich aus den rustikalen Ursprüngen ab. Anfangs wurde das Getränk von den Blättern der Yerba aus Kalebassen geschlürft. „Mate“, das Wort der Quechuas, bezeichnet nur das Trinkgefäß, steht aber inzwischen für das Nationalgetränk der Argentinier. In der Kolonialzeit wurden die Porzellantassen in Europa gefertigt, viele in Deutschland, und mit Liebe zum Kitsch dekoriert. Die originelle Kabinett-Ausstellung im Bröhan-Museum liefert aber nicht nur ästhetisches Anschauungsmaterial, sondern auch den Einblick in eine ganze Kultur (bis 30.1. Schloßstr. 1a Di.–So. 11–18 Uhr). Trinkhalme aus Silber oder Schilf sind zu sehen. Besonders apart wirken Tassen mit einem Pfeifchen am Henkel. Damit wurde die Hausfrau zum Nachschenken herbeizitiert. Mate übermittelte Botschaften: Kochend bedeutete er Hass, kalt Verachtung. So erzählen diese schillernden Porzellangefäße von Leidenschaften und Sitten in der Neuen Welt. Simone Reber

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