Kultur : Gegenpapst

Soirée zum 5. Todestag von Heinz Ohff

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Foto: Tagesspiegel
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West-Berlin ist in Mitte angekommen. Im Rahmen einer Ausstellung in der Gipsstraße mit Werken der Kritischen Realisten wie Peter Sorge, Wolfgang Petrick oder Harald Duwe, die einst zur West-Berliner Avantgarde gehörten, erinnerte die Kunststiftung Poll an das Werk des Kunstkritikers Heinz Ohff (1922–2006), der von 1961 bis 1987 Feuilletonchef des Tagesspiegels war. „Mittendrin und doch auf Distanz“, so beschreibt Lothar C. Poll bei der Soirée zum fünften Todestag das Schaffen Ohffs, das eng mit der legendären Galerie Großgörschen und den Kritischen Realisten verbunden war.

„Was ist heute vom Kunstpapst Ohff geblieben?“, fragt Poll den Literaturwissenschaftler Ekhardt Haack, der dessen schriftstellerisches Schaffen studiert hat. Als Kunstpapst habe Ohff sich nie bezeichnet, stellt Haack klar, die Rolle sei ihm von den Tagesspiegel-Lesern zugewiesen worden. Sein Urteil hatte Gewicht und war gleichsam ein Ritterschlag, ob die Kritik nun positiv oder negativ war. Heute – fünf Jahre nach seinem Tod – ist Heinz Ohff immer noch präsent als Biograf von Fürst Pückler, Königin Louise und Karl Friedrich Schinkel, werden seine „Gebrauchsanweisungen“ für England und Schottland immer wieder neu aufgelegt. Doch im öffentlichen Bewusstsein sei der visionäre Kunstkritiker kaum mehr verankert. Dabei schrieb er schon 1965, dass Gerhard Richter einer der bedeutendsten Künstler Deutschlands sei.

Mit Eberhard Roters, dem Gründer der Berlinischen Galerie, machte Ohff sich um das Werk der Künstlerinnen Jeanne Mammen und Hannah Höch verdient. Roters’ und Ohffs Vorträge in der LessingHochschule sind legendär. Im West-Berliner Kunstbetrieb waren sie ein gern gesehenes Duo; frotzelnd nannte man sie auch „Max und Moritz“. Rolf Brockschmidt

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