Kultur : Gegenseitiger Vorteil

Auch die Bankgesellschaft Berlin hat nicht Geld wie Heu.Seitdem sich der Berliner Finanzkonzern im letzten Jahr entschloß, die angeschlagene Berliner Bank nicht mehr als selbständiges Unternehmen zu führen, sondern samt Risiken in die Gesellschaft aufzunehmen, muß das Unternehmen seine Kosten in zwei bis drei Jahren um 25 Prozent senken.Ein "mühsames Ergebnisverbesserungsprogramm", wie der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Rupf die Sparmaßnahmen nennt.Die Bankgesellschaft muß nicht nur ihren Personalbestand abbauen, sie hat auch einen Ausgabenstop für Sponsoring und Werbung verfügt.In dieser Situation die Kultur-Stiftung "Brandenburger Tor" zu gründen und mit einem Startkapital von 30 Millionen Mark vergleichsweise üppig auszurüsten, kann in diesem Zusammenhang als bemerkenswert bezeichnet werden.

Doch die Bankgesellschaft sieht sich als eines der mächtigsten Berliner Unternehmen und größter Steuerzahler in die Pflicht genommen.So seien Kultur und Wissenschaft, die zentralen Bereiche, durch die die Region lebe.Und je höher das Ansehen der Region sei, desto positiver würde das auf die Geschäftsbeziehungen zurückwirken."Doch wir wollen und können nicht die Feuerwehr für eine verfehlte Senatspolitik sein", erklärt Monika Grütters, Sprecherin des Stiftungsvorstandes.Die im Liebermann-Haus ansässige Stiftung konzentriert ihre Arbeit deshalb vor allem auf Personen, die "leistungsbewußt" und "kreativ" der Gesellschaft von Nutzen sind.Sie setzt sich ausdrücklich für eine "Förderung gesellschaftlicher Eliten" ein, also für Spitzenkräfte und Talente, die als Vorbilder gelten können.

Offenbar wächst der Bedarf von Unternehmen, sich nicht bloß als Arbeitgeber oder Marktteilnehmer, sondern auch als gesellschaftliche Akteure mit Verantwortungsbewußtsein zu profilieren.Das kulturelle Engagement sei für das führende Berliner Finanzhaus eine "sehr vornehme Art, sich gesellschaftlich zu betätigen", erläutert Grütters.Die Institution stellt nach Wunsch Wolfgang Rupfs ein "Gegenprogramm zur schnöden Welt des Geldes" dar.Denn die Finanzholding leide darunter, "keine eigene Identität zu besitzen, so daß die Grundsätze der Stiftung ihrerseits auf die Unternehmenskultur ausstrahlen sollen." Anvisiert ist ein Finanzvolumen von insgesamt 100 Millionen Mark, das die Aktivitäten der Bankgesellschaft auf eine Stufe mit denen der Alfred-Herrhausen-Stiftung der Deutschen Bank sowie Allianz und Hoechst stellt.Mit den Zinserträgen von etwa sechs Millionen Mark jährlich steckt die Bankgesellschaft in Zukunft mehr Geld in uneigennützige Förderprojekte, als sie jemals für Eigenwerbung und Sponsoring ausgeben könnte.

Sie initiiert Projekte nicht im luftleeren Raum.Zur Zeit arbeitet sie mit dem Europäischen Journalisten-Kolleg der FU Berlin und dem Wissenschaftskolleg sowie der Festspiel GmbH zusammen und wird sich nach eigenen Angaben an die bestehenden Berliner Austauschprogramme erst einmal "dranhängen". KM

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