Gegenwartskunst : Richard Wright gewinnt den Turner-Preis

„Turner Prize is Dead“: Die Schilder der Demonstranten vor der Tate Britain wirken wie eine Werbekampagne für Europas streitbarsten Kunstpreis.

Kolja Reichert

Zersägte Pferde in Formaldehyd, Puppen beim Oralverkehr – lange liebte der Turner-Preis das Spektakel. Seit 1984 verliehen, wurde er schnell zum Schaufenster der britischen Gegenwartskunst, zugleich entlud sich an ihm auch alle Empörung über Shock Art und Konzeptkunst.

In den letzten Jahren schien der Turner Preis seine Strahlkraft jedoch verloren zu haben. Die diesjährige Shortlist-Ausstellung in der Tate Britain überrascht nun durch Ausgeruhtheit: Lucy Skaer setzt einen Walfischschädel hinter eine Wand mit Sehschlitzen. Enrico David inszeniert ein Riesenpuppenkabinett. Roger Hiorns verstreut den Staub eines geschredderten Flugzeugmotors . Er führte die Wettlisten an: welch Krisenmetapher! Gewonnen hat am Montag indes ein ornamentales Wandgemälde aus Goldblatt von Richard Wright in der Freskentechnik Michelangelos. Wegen der Lichtspiegelungen entzieht es sich der Reproduktion. In vier Wochen wird es ausgelöscht. „Das Werk ist so schön, dass man versteinert davor steht“, lobte der „Daily Telegraph“. Die Jury rehabilitiert damit eine vergessene Kategorie: Schönheit. Kolja Reichert

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