Kultur : Geheimsache H.

Eine

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von Bodo Mrozek

Vor einigen Jahren geriet einmal ein Tresor in den Besitz eines Berliner Antiquitätenhändlers. Der Tresor kam aus dem Spandauer Gefängnis, in dem des Führers Stellvertreter Rudolf Hess seine Haft verbüßt hatte. Er war verschlossen und obwohl alle den Händler bestürmten, er solle ihn aufbrechen, weigerte er sich: Geheimnisse seien interessant, solange sie nicht gelüftet werden.

Die NaziGeschichte bietet allerlei dunkle Geheimnisse: Wo ist das Bernsteinzimmer? Wo sind Caravaggios verschwundene Gemälde? Schrieb Hitler Tagebuch? Was wollte Rudolf Hess in England? Viele Fragen, kaum Antworten. Die neueste Räuberpistole kommt aus Großbritannien. Dokumente aus dem britischen Staatsarchiv belegen angeblich, dass der „Reichsführer SS“ Heinrich Himmler nicht, wie bisher überliefert, im Jahre 1945 Selbstmord beging. Dem Archivmaterial zufolge haben britische Agenten den Massenmörder Himmler „eliminiert“, damit dieser nichts über seine angeblichen geheimen Friedensverhandlungen mit den Briten berichten könne. Die geht aus einem Bericht des britischen „Telegraph“ hervor.

Komisch nur, dass die Unterschrift des britischen Informationsministers auf dem angeblichen Dokument, das die Eliminierung des „kleinen H.“ empfiehlt, seltsam eckig ist und keine Ähnlichkeit zum Original aufzeigt. Merkwürdig auch, dass der Kopf des historischen Briefes aus einem modernen Laserdrucker stammt.

Der Berliner Antiquitätenhändler hat den Tresor übrigens neulich aufgebrochen – auf Drängen seiner Enkelin. Es fanden sich Geheimdokumente darin, die noch kein Historiker gesehen hatte. Im Unterschied zur britischen Schtonk-Affäre waren sie sogar echt. Es waren Essensmarken der Gefängniswärter.

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