Kultur : Geheimtip Oper

JÖRG KÖNIGSDORF

Ihre Verstimmung kann Anka Großer nur schlecht verbergen.Ein wenig mehr Unterstützung für die vorgezogene Spielzeiteröffnung habe sich die Komische Oper schon erhofft, klagt die rührige Pressesprecherin des Hauses."Wir selber haben fast kein Geld für Werbung übrig und sind von daher auf Unterstützung von außen angewiesen.Es geht uns dabei gar nicht um Geld, sondern allein darum, daß den Berlinern und Touristen überhaupt bewußt gemacht wird, daß wir ab 16.August schon wieder spielen." Denn wie im letzten Jahr, als die Komische Oper zum ersten Mal mit einer verkürzten Sommerpause experimentierte, spielen auch diesmal die ersten Opernvorstellungen vor kaum halbvollem Haus.Und das, obwohl nach der Eröffnungsvorstellung mit Tschaikowskys "Pique Dame" nur Stücke auf dem Programm stehen, die ansonsten sichere Kassenfüller sind.Doch selbst Puccinis "Turandot", sonst meist schon Wochen vorher ausverkauft, wird in der nächsten Woche wohl nur vor schütter gefüllten Reihen stattfinden."Es dauert wohl ein paar Jahre, bis sich die Berliner daran gewöhnt haben, daß sie schon im August zu uns kommen können", vermutet die Pressesprecherin.Alleingelassen fühlt sich das Haus insbesondere von den beiden Marketing-Firmen, die für die Darstellung der Kulturstadt Berlin nach innen und außen zuständig sind.Die Berlin-Werbung, resümiert Großer, täte einfach zu wenig für die Organisationen, die sich keine Eigenwerbung leisten könnten.Ein Vorwurf, den sowohl die Berliner Tourismus Marketing (BTM) als auch die Agentur "Partner für Berlin" entschieden zurückweisen."Wir weisen sowohl in unseren Broschüren als auch bei Direktkontakten ausgiebig auf das Angebot der Komischen Oper hin und haben schon jetzt für die erste Spielzeithälfte etliche Buchungen vermittelt," erklärt Dr.Bernd Buhmann von der BTM, "nur können wir bei einer Tagung vor Reiseveranstaltern in New York natürlich nicht extra sagen: Und übrigens, die Komische Oper spielt jetzt zwei Wochen früher.Da würden wir uns nur lächerlich machen." Im übrigen, vermutet Buhmann, läge der schleppende Verkauf eher daran, daß sich aufgrund der verregnten ersten Sommerhälfte die Nachfrage nach Open-Air-Veranstaltungen in den August verschoben hätte.Auch bei "Partner für Berlin" ernten die Klagen der Komischen Oper Unverständnis.Man sei hier ohnehin mehr für Events wie die "Lange Nacht der Museen" oder Veranstaltungen im Rahmen der Schaustelle Berlin zuständig, heißt es dort, und könne schlecht die Werbung für Opern und Theater mitübernehmen.So bleibt es vorerst bei den kleinen Aktionen, die sich die Komische Oper mit Unterstützung des Förderkreises leisten kann.Der hatte schon im letzten Jahr etliche Einzelaktionen finanziert und auch jetzt die Auslegung von über 20.000 Postkarten in Berliner Gastronomiebetrieben ermöglicht.Zu wenig, um ein breites Echo zu erzielen.Eine spektakuläre Eröffnungsgala, die die Aufmerksamkeit auf das Haus lenken könnte, wird dort allerdings als zu aufwendig abgelehnt.Die gibt es nur für das Tanztheater, und das hat mit den ausverkauften "Tanz im August"-Vorstellungen ohnehin einen glänzenden Saisonauftakt.Die Augustvorstellungen der Komischen Oper - auch in diesem Jahr ein echter Geheimtip: Hier besteht die wohl einzige Möglichkeit, ganz ohne Kartenstress und bei freier Platzwahl die Produktionen zu sehen, bei denen schon einen Monat später die Berliner wieder Schlange stehen werden.

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