Kultur : Gehen und übersehen werden

Bodo Mrozek

Eine erstaunliche Metamorphose hat das White Trash Fast Food durchgemacht. Die ehemals in einem China-Restaurant beheimatete Szene-Wärmstube war ein Nachtasyl für ganz normale Leute mit Starallüren. Hier musste man niemals fürchten, wegen eines allzu stromlinienförmigen Outfits schief angeguckt zu werden, der Sitznachbar hatte seine Bekleidungsidee schließlich auch der jüngsten Ausgabe eines Trendmagazins entlehnt. Vor einigen Monaten eröffnete das WT neu in einem ehemaligen Irish Pub. Dort kommt man sich vor wie in einer Grafik von M. C. Escher: Überall winden sich Treppen und Gänge auf mehreren Ebenen. Unten gibt’s Konzerte, oben legt ein DJ auf, manchmal tanzt dazu ein muskulöser Mann einen Schleiertanz auf der Bar. Wenn heute King Khan , der amtierende Herrscher des Voodoo-Soul, mit seiner Band BBQ anlässlich der „Billion Dollar Night of Trash“ spielt, wird es gerammelt voll sein (Schönhauser Allee 6-7, 21 Uhr) . Das kann ein Vorteil sein. Denn das White Trash ist derzeit der einzige Club, in dem man Menschen aus dem Weg gehen kann, die man nicht treffen will.

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