Kultur : Gehst du noch oder surfst du schon?

Jörg Königsdorf

Die Komische Oper hat vor anderthalb Jahren damit begonnen, nun zog die Staatsoper nach: Wer sich auf den Internetseiten beider Häuser über den Spielplan informieren will, kann sich anhand kurzer Videotrailer selbst ein Bild von der jeweiligen Produktion machen. Wie widersprüchlich die Kritiken zur neuen „Zauberflöte“ an der Komischen Oper auch gewesen sein mögen, jetzt braucht es nur eine Minute, um festzustellen, ob die eigenwillige Ästhetik der Neuenfels-Inszenierung dem eigenen Geschmack entspricht (wieder am 15. 12.). Und wer unsicher ist, ob er mit der Musik Busonis etwas anfangen kann, der weiß nach der Internet-Hörprobe ungefähr, worauf er sich bei der Staatsopern -Produktion des „Doktor Faustus“ einlässt (12., 15. 12.). In beiden Fällen ist der Aufwand, der mit der Erstellung solcher Filme verbunden ist, auch ein Beleg dafür, wie sehr das Internet an Bedeutung für das Opernmarketing gewinnt. 300 000 Zugriffe pro Monat verzeichnet die Homepage der Lindenoper – dafür lohnt es sich, aufs Clip-Format umzusteigen. An der Komischen Oper ist die Homepage für die Besucher inzwischen wichtiger als der gedruckte Spielplan, und wie an der Staatsoper steigt der Anteil der via Internet gebuchten Karten kontinuierlich an und liegt derzeit bei 20 bis 25 Prozent. Der dürfte weiter klettern, wenn die Staatsoper noch in dieser Spielzeit ihr Print-at-home-System einführt: Dann kann man am heimischen PC sein Ticket ausdrucken, das der Abenddienst nur noch mit dem Scanner kontrolliert.

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