Kultur : Geigenhumor

Die Leute, die da zum Rosenmontagskonzert des Deutschen Symphonie-Orchesters mit Dieter Hildebrandt fahren, starren griesgrämig aus dem Bus-Fenster in den Sprühregen. Auf Kommando Feste feiern, das liegt Berlinern nicht - mit Ausnahme des Regierenden Bürgermeisters (aber der ist als Kind wohl mal in einen Kessel mit rheinischem Zaubertrank gefallen). Reinlasse wollmer ihn trotzdem. Den Hildebrandt, nicht den Wowi. Der 74-jährige Doyen des Kabaretts, schon immer mehr Recke als Jeck, heizt der Philharmonie mächtig ein, teilt aus nach rechts wie links. Als Virtuose der Sicker-Pointe, dem musikalischsten der Gag-Genres, ist er hier am Platz: die Lachfrequenz schwillt crescendo an, entlädt sich sforzando, während der Satiriker auf der Bühne attacca schon wieder ganz richtig falsch verstanden werden will: "Zukunftsmusik ist dieses hässliche Geräusch, wenn auf jeden Erwerbstätigen ein Rentner fällt."

Und dann ist da noch der Mann, der bei jedem Türsteher als Double des Kultursenators Flierl durchgehen würde. Werner Thomas-Mifune ist Cellist - und Champion in der Königsdisziplin der Spaßmacher: Er erzählt Witze ohne Worte, seine Orchesterarrangements mixen Haydn mit Tango, bringen 20 Klassik-Hits im Kopfsatz von Beethovens "Fünfter" unter und das ganze Wiener Neujahrskonzert in drei Minuten. Da lachen ja die Kenner. Nichts ist komischer, als wenn tönend zusammenwächst, was gar nicht zusammengehört. Und nichts ist schwerer. Weil auch der schönste Wiedererkennungs-Effekthascher auf Hörer mit gesunder musikalischer Halbbildung angewiesen ist. Eine kleine radikale Minderheit - wie die Berliner Jecken. Und leise lächelt Mona Pisa.

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