Geiger Itzhak Perlman wird 70 : Vom Gleiten über den Saiten

Er ist die Geige hinter dem berührenden Violinensolo aus "Schindlers Liste": Itzhak Perlman. Wir gratulieren dem Ausnahmegeiger zum 70. Geburtstag.

Lisa-Maria Röhling
Itzhak Perlman.
Itzhak Perlman.Foto: dpa

Wer Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“ sieht, dem bleibt natürlich der rote Mantel im Gedächtnis, den das Mädchen im Krakauer Ghetto trägt. Aber was sich ebenfalls einprägt und für unvergleichbare Tiefe sorgt, ist die Musik, genauer: das drängende Violinensolo, mit vollen Vibrati und warmen Tönen gespielt von Itzhak Perlman. John Williams hat es ihm auf den Leib geschrieben. Töne, die damals, 1993, dem schweren Erbe des Holocaust eine Melodie voll Hoffnung entgegensetzen.

Perlman, der am heutigen Montag seinen 70. Geburtstag feiert, ist ein Ausnahmetalent. In Tel Aviv als Sohn polnischer Einwanderer geboren, war er früh vom Geigenspiel begeistert. Mit drei wurde ihm ein Platz am Shulamit Conservatorium in Tel Aviv verweigert – weil er zu klein war, um das Instrument zu halten. Also übte er zu Hause auf einer Spielzeuggeige, bis er den Unterricht besuchen durfte. 4-jährig erkrankte er an Poliomyelitis, konnte zwar geheilt werden, ist aber seitdem auf Krücken angewiesen und spielt im Sitzen. Als 10-Jähriger gab er an der Academy of Music in Tel Aviv sein erstes öffentliches Konzert, ging dann mit einem Stipendium nach New York, wurde an der Juilliard School Schüler von Dorothy DeLay. 1963 gab er sein Debüt in der New Yorker Carnegie Hall und hatte anschließend Auftritte in US-Fernsehshows, die ihm zu großer Bekanntheit verhalfen.

Kindliche Begeisterung für das Geigenspiel

Perlman ist kein Geiger mit aufwendiger Gestik. Seine Bewegungen sind reduziert, sein Spiel präzise, klar, ohne Schnörkel und Verzierungen. Er wirkt bodenständig, wenn er die Finger wohlgesetzt über die Saiten gleiten lässt und ihm ein Lächeln über die Lippen huscht. Tschaikowskys Violinkonzert interpretiert er mit einem Bewusstsein für die Brillanz der Musik, in Bachs Partiten und Violinsonaten glänzt er durch unaufgeregtes Spiel mit klaren Harmonien. Ein Musiker, der die kindliche Begeisterung für das Geigenspiel nicht verloren hat. Bei aller Balance gelingt ihm dennoch eine große Emotionalität, ohne dabei unnötig aufzuprunken.

Perlman hat in seinen Aufnahmen zusammengearbeitet mit Zubin Mehta, Vladimir Ashkenazy oder Daniel Barenboim – und mit seinem guten Freund, dem Geiger Pinchas Zukerman. Neben klassischer Musik sind Jazz und Klezmer seine Leidenschaften. 2008 erhielt er einen Grammy Lifetime Award. Perlman hat heute selbst einen Lehrstuhl an der Juilliard School inne, ist bekannt für seinen offenen Umgang mit Musikbegeisterten jeden Alters. Zu seinem 50. Geburtstag sagte er: „Mein Spiel ist über die Jahre reifer geworden. Ich werde alt!“ Früher sei er stets nach Paganini und Tschaikowski gefragt worden, jetzt nach Mozart, Beethoven, Brahms. Ob sein neues Album, das zum 70. Geburtstag erscheint, mit Violinsonaten von Gabriel Fauré und Richard Strauss, nun ein Zeichen weiterer Reife ist, sei dem Hörer überlassen.


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