• Geiselnahme in der Türkei: "Moskau bastelt an Nuklearwaffen" - Russland-Experte Frank Umbach über die Gefahr der Radikalisierung

Kultur : Geiselnahme in der Türkei: "Moskau bastelt an Nuklearwaffen" - Russland-Experte Frank Umbach über die Gefahr der Radikalisierung

Müssen wir uns künftig auf weitere Terro

Frank Umbach (38) arbeitet bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin und ist Experte für Russland und den Kaukasus.

Müssen wir uns künftig auf weitere Terroraktionen wie in Istanbul einstellen?

Es wird eine Radikalisierung geben. Die Bevölkerung hat nichts zu verlieren. Russland betreibt eine Politik der verbrannten Erde, fast jede Familie hat Tote zu beklagen. Grosny sieht aus wie 1942 Stalingrad.

Stimmt die These, Russland selbst habe den zweiten Tschetschenien-Krieg provoziert?

Es gibt solche Thesen. Ich kann nicht sagen, ob sie stimmen. Man hat tatsächlich in einer russischen Wohnung eine Bombe gefunden, die definitiv vom russischen Geheimdienst stammte. Damals gab es viele Bombenanschläge auf russische Wohngebäude. Zeitgleich, so eine US-These, wurden in mehreren Städten Bomben entschärft. Wenn das stimmt, sollten diese Bomben Legitimation für den zweiten Krieg sein. Man behauptete, die Bomben stammen von Tschetschenen.

Und der Westen hat den Krieg vergessen?

In gewisser Weise schon, man verschließt die Augen. Man braucht Putin eben auch.

Sieht der Westen die Gefahren nicht?

Langsam schon. Es geht ja um die Stabilität einer Region. Was nützt es, wenn man in Jugoslawien Ruhe hat, aber dieser Krieg in Südosteuropa eskaliert. Die EU überlegt, eine Art Stabilitätspakt zu verabschieden.

Was wird Russland machen?

Es gibt riesige Rekrutierungsprobleme. Die Streitkräfte sind schlecht ausgerüstet; die Verlustraten sind ähnlich hoch wie im Afghanistan-Krieg. Moskau bastelt an taktischen Nuklearwaffen, eine Art Artillerie mit wenig Strahlung. Die Militäroperation hat sich verselbstständigt. Es gibt kein politisches Konzept.

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