Kultur : Geld für Gärtner

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Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hat Italien zur Zahlung eines Schadensersatzes in Höhe von 1,3 Millionen Euro verurteilt. Ein in der europäischen Rechtssprechung einmaliges Urteil, denn noch nie stand ein Land in Sachen Kunst vor dem EU-Gericht. Das Geld soll der Schweizer Kunstsammler Ernst Beyeler erhalten. Beyeler hatte 1977 durch einen Mittelsmann von einem Italiener Vincent van Goghs Gemälde „Der Gärnter“ (1889) für 310 000 Euro erworben. Eigentlich hätte das Bild, das der Maler im provencalischen Saint-Rémy schuf, nicht ohne staatliche Genehmigung ausgeführt werden dürfen. Der Mittelsmann hatte den Verkauf des Bildes den Behörden nicht gemeldet. Als das Kulturministerium 1983 von dem Deal erfuhr, kam jeder Protest zu spät. Das Gemälde war schon in der Schweiz.

1988 wollte Beyeler es für 8,5 Millionen Dollar an die Guggenheim-Stiftung in die USA verkaufen. Die Italiener erfuhren davon und wiesen auf ihr international geltendes Vorkaufsrecht für illegal ausgeführte Kunstobjekte hin. Beyeler war gezwungen, den „Gärtner“ nach Italien zurück zu verkaufen. Das römische Kulturministerium war aber nicht bereit, 8,5 Millionen Dollar zu zahlen. Man speiste Beyeler mit der Summe ab, für die er das Bild 1977 erworben hatte.

Beyeler klagte bis in die letzte Instanz. Die Richter des EU-Gerichtshofes lehnten zwar die von dem Sammler geforderte Rückgabe des Bildes oder die Zahlung eines Schadensersatzes von 15 Millionen Euro ab, waren sich aber einig, dass die Italiener für viel zu wenig Geld ein wertvolles Bild erhalten hätten. Jetzt müssen sie zahlen, denn die Urteile des Gerichtshofs sind für alle EU-Mitgliedsstaaten bindend. Thomas Migge

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