Kultur : Geld kennt keine Erinnerung

Eine

Es scheint eine Ewigkeit her zu sein, dass der Euro auch unter der Bezeichnung „Teuro“ firmierte. Was früher eine Mark kostete, musste plötzlich mit einem Euro bezahlt werden, also mit fast zwei Mark. Restaurantbesuche, Haarschnitte, die Flasche Becks auf Konzerten und Clubs, alles doppelt so teuer, und auf Gehaltszetteln und Kontoauszügen stand nur noch die Hälfte. Schlimme Zeiten, die bloß gar nicht so schlimm waren. Denn weder die Euroeinführung 2002 noch das damit verbundene, negativ konnotierte Gefühl, plötzlich weniger Geld zu haben, sorgte langfristig für größere Aufregung oder Ängste. Der Euro machte seine Sache gut. Er machte seine Sache so gut, dass er irgendwann härter als der Dollar wurde und diesem den Rang als oberstes allgemeingültiges Weltwährungsmittel ablief. In D-Mark rechnet hierzulande jedenfalls kaum noch einer mehr die Europreise um.

Im Zuge der zerrütteten Staatsfinanzen in Griechenland und Portugal schwebt der Euro nun gerade in Gefahr, und die „Welt“ titelt: „Die Misere weckt die Sehnsucht nach der Deutschen Mark.“ Mal abgesehen davon, dass diese Krise für unsereinen noch immer etwas sehr Abstraktes hat. Und auch abgesehen davon, dass sich selbst Experten nicht im Klaren darüber sind, ob nun Inflation oder Deflation drohen: Die Sehnsucht nach der D-Mark hält sich in Grenzen, so sehr, dass man sich nicht einmal mehr daran erinnert, wie Zehn- oder Hundertmarkscheine aussahen oder was ein „Heiermann“ oder ein „Sechser“ war. Geld ist keine Lebensform, sondern am Ende eines langen Einkaufstages doch nur ein profanes Zahlungsmittel. Die D-Mark hat eine Geschichte, eine erfolgreiche dazu. Aber die Geschichten, die sich auf ihrer Basis erzählen lassen, sind dünn. Als Hort von Erinnerungen eignet sich Geld nicht. Insofern wäre es wichtiger, Griechenland und Portugal würden sich berappeln und der Euro zu alter Stärke zurückkehren. Man könnte auch das Sehnsucht nennen.

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