Kultur : Geld & Rosen

Michaela Nolte

fragt nach den Verflechtungen von Kunst und Kapital Bücher schweben schwerelos durch den Raum; doch wenn man sich dem interaktiven Video der französischen Künstlergruppe Acces Local nähert, erzeugt die menschliche Bewegung medialen Stillstand. Das Schweizer Forschungsteam Imagination Lab Foundation flankiert auf einem Plakat eine einsame Rose mit „Business is business is business“. Wir wissen zwar nicht, was Gertrude Stein zu dieser Reminiszenz gesagt hätte, aber spätestens hier wird klar, dass sich die Ausstellung in der Kunstfabrik am Flutgraben (Am Flutgraben 3; bis 9. Oktober) den Schnittstellen von Kunst und Wirtschaft annähert. „Produkt und Vision“ heißt das interdisziplinäre Projekt, in dem der Schulbuchverlag Cornelsen als Modellunternehmen fungiert. Finanziell hat sich der Verlag an den Szenen einer Mischehe allerdings nicht beteiligt. Die künstlerische Aufbereitung gibt sich mit computer- und internetunterstützten Videos und Installationen auf der Höhe der Zeit. Doch verharrt die „Ausstellung im Textformat“, so der Künstler und Mitinitiator Henrik Schrat, bei einem Kunstbegriff, der ökonomische Schnittstellen recht einseitig und brav abklopft. Damit klemmt die Ausstellung in der diffusen Schnittmenge kultur-soziologischer Feldforschung und tappt in die Falle, wo die Kunst die Wirtschaft mit einer kostenlosen Imagewerbung sponsert.

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Wie es besser gehen kann, beweist die aktuelle Ausstellung in der Galerie Barbara Weiss (Zimmerstraße 88-89; bis 8. Oktober) mit Werken von Maria Eichhorn . Seit Anfang der 90er Jahre kooperiert die Künstlerin mit Unternehmen und reflektiert in ihren Video- und Buchdokumentationen sowie einer fortgesetzten Interviewreihe mit Künstlern die Verflechtungen von künstlerischen und ökonomischen Prinzipien. Nicht die affirmativen Schnittstellen, sondern Einschnitte in gesellschaftliche und politische Prozesse stehen dabei im Zentrum. Was anlässlich ihrer Teilnahme an der Documenta XI in einer Aktiengesellschaft gipfelte, die keinerlei Kapitalzuwachs erlaubt, und somit das System der virtuellen Geldakkumulation konterkariert. Für „Das Geld der Kunsthalle Bern“ legte die Künstlerin Anteilsscheine, die zur Gründung der Kunsthalle 1908 herausgegeben worden waren, noch einmal auf. So unterstützte sie die notwendige Sanierung des Baus und das Geld konnte in den Wertschöpfungsprozess Kunst zurückfließen (Preise auf Anfrage).

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