Kultur : "Gelinde verdreht": Vom Winde verweht - In der Studiobühne der FU

Nina Peters

"Das Chamäleon fördert junge Kunst", heißt es im "Glaskasten", dem Weddinger Ableger vom Stammsitz in den Hackeschen Höfen. Junge Kunst strebt schon mal nach neuen Formen. Der Student Rashad Salem, Autor, Regisseur und Komponist, hat gleich eine ganze Theaterformel gefunden: "Musical + Operette = Musilette". Das ist ähnlich aberwitzig wie der Titel "Gelinde verdreht". Zwischen Fans von FU und HU sitzen ältere Zuschauer, echte Weddinger. Sie erleben eine Inszenierung der Studiobühne der FU, die vor Handlung fast platzt (nochmals am 2.6./3.6. um 20 Uhr). Salem, der Autor, schreibt über das Theater. "Mir bedeuten diese Bretter mehr als die Welt", so Regisseur Marlon kurz vor der Premiere von "Vom Winde verweht". Nichts klappt! Es folgen Kündigungen, Alpträume, Theaterträume ("Neue Häuser müssen her, Künstler finden sich nicht schwer"). Lydia, Wunschkandidatin für die Rolle der Scarlet, endet als Produzentin. Ihr Mann als Regisseur. Nebenbei geht es um Krieg, Europa, Religion - die kleine "Musilette" stöhnt hörbar unter dem Ballast. Salem, der Regisseur, findet mit Christian Goldbeck (Bühne) eine variable Lösung für die 12 Szenen. Wuchtige Bauklötze verwandeln sich in Betten, Bars, Bühnen. Rettender Glücksgriff ist schließlich Judith Sehrbrock (Lydia). Ihr Spiel entspricht dem, was der Dichter erdachte: dem Wechsel vom Spiel im Spiel, den Ulrich Reinhardt (Marlon) in übertriebener Stummfilmgestik gnadenlos übergeht. Schließlich hat Sehrbrock eine hübsche "Musiletten"-Stimme für das, was Salem, Komponist (mit Frank Peters) und Kämpfer an so vielen künstlerischen Fronten, ohrwurm-kompatibel komponierte.

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