Gemälde-Diebstahl : Kunstkrimi in Hessen

Nach dem spektakulären Raub eines wertvollen Gemäldes vor einem dreiviertel Jahr im Schloss Fasanerie bei Fulda ist das Kunstwerk wieder aufgetaucht - auf ebenso spektakuläre Weise.

Kronberg/Fulda - Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Fulda wurde das 70.000 Euro teure Gemälde "Ansicht von Schloß Weißenstein" von Johann Heinrich Tischbein dem Älteren bei der Festnahme eines Polizisten sichergestellt. Das Bild sei leicht beschädigt. Gegen den festgenommenen hessischen Polizeibeamten werde jetzt wegen Verdachts der Hehlerei sowie Erpressung ermittelt.

Laut Staatsanwaltschaft hatte sich der 58 Jahre alte Beamte im Dezember telefonisch bei der Versicherung gemeldet, die mit der Abwicklung des Diebstahlschadens betraut ist. Er gab vor, das geraubte Gemälde gegen Zahlung von Geld zurückgeben zu können. In den Verhandlungen mit ihm wurde schließlich ein Betrag von 7500 Euro vereinbart. Die Übergabe sollte am vergangenen Mittwoch erfolgen.

Der zuständigen Versicherungsmitarbeiterin soll der 58-Jährige am Telefon sogar seinen Namen und Beruf genannt haben. "Das ist eigentlich nicht zu begreifen", kommentierte der Sprecher der Fuldaer Staatsanwaltschaft, Harry Wilke. Von der Versicherung habe der Polizist verlangt, seine Kollegen aus dem Fall heraus zu halten. Die zuständige Mitarbeiterin habe sich jedoch nicht daran gehalten.

Gemälde bei Festnahme sichergestellt

Bei der geplanten Übergabe am Mittwochvormittag griffen die verständigten Ermittler zu. Sie nahmen den 58-Jährigen an seinem Wohnort in Kronberg im Taunus fest und stellten das Gemälde sicher. Es sollte noch heute dem Museum in Schloss Fasanerie zurückgegeben werden.

Im Verhör hat der 58-Jährige bereits umfassend ausgesagt. Zu seinem möglichen Motiv und weiteren Hintergründen der Tat wurde jedoch bislang nichts bekannt. Auch zum Dienstgrad und Dienstsitz des Beamten wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht äußern. Es werde noch geprüft, ob der Polizist an dem Einbruch in das Schloss beteiligt war, hieß es.

Gezielter Diebstahl des Tischbein-Gemäldes?

Das Tischbein-Gemälde war in der Nacht zum 25. Mai 2006 gestohlen worden. Der oder die Täter waren mit einer Leiter in den ersten Stock des Schlosses eingedrungen. Als sie eine Alarmanlage auslösten, ergriffen die Einbrecher die Flucht, lösten zuvor jedoch das 1,80 mal 1,10 Meter große Tischbein-Gemälde aus dem Rahmen und nahmen es mit.

Das aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammende Gemälde zeigt den Vorgängerbau des Kasseler Schlosses Wilhelmshöhe. Das Bild befand sich seit Eröffnung des Fasanerie-Museums 1951 in dessen Besitz. Ob die Täter es gezielt auf das Bild abgesehen hatten, oder ob sie nach Auslösen des Alarms das nächst greifbare Gemälde nahmen, blieb unklar. Die Familienstiftung der Landgrafen von Hessen setzte für die Wiederbeschaffung eine Belohnung von 5000 Euro aus. (Von Guido Heisner, ddp)

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