Gemälde-Streit : Wettiner sind keine "Raubritter"

Im Streit um die Rückgabe von 139 Gemälden hat der Urenkel des letzten Sachsenkönigs Friedrich August III., Prinz Rüdiger von Sachsen, den Vorwurf zurückgewiesen, die Wettiner träten wie "Raubritter" auf.

Leipzig - Er frage sich, "warum man ins Unrecht gesetzt wird, wenn man auf Recht und Gesetz verweist", sagte er der "Leipziger Volkszeitung". Die nun zurückgeforderten Gemälde seien "zum größten Teil" Eigentum der Wettiner. Allerdings sei die Recherchearbeit für die Wettiner schwierig gewesen, "weil sie seitens der Kunstsammlungen nicht gefördert wird", sagte Prinz Rüdiger von Sachsen. "Brisant" sei, dass sich im Depot der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden noch einige tausend Bilder befinden sollen, bei denen die Herkunft ungeklärt ist. "Ich finde es sehr lobenswert, dass das jetzt öffentlich zugegeben wird, frage mich aber schon, wie in den Staatlichen Kunstsammlungen geforscht wird", kritisierte der Adelige und fügte hinzu: "Die Wettiner sind also nicht die Einzigen, die Forderungen erheben können und werden."

Die Kunstsammlungen hatten in der vergangenen Woche die Ansprüche der Wettiner in Zweifel gezogen. Ihre Liste sei nach einer ersten Durchsicht "voller Ungenauigkeiten" und "stimmt großenteils gar nicht", sagte der Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister, Harald Marx.

Die Wettiner, die bis 1918 in Sachsen herrschten, hatten sich mit Sachsen 1999 auf einen Vertrag geeinigt, demzufolge ein Großteil enteigneter Kunstobjekte in den Museen bleiben darf. Das ehemalige Herrscherhaus erhielt damals rund zwölf Millionen Euro als Entschädigung. Bei ihren jüngsten Forderungen berufen sich die Wettiner indes auf eine Öffnungsklausel in der Abmachung, die Nachforderungen bei Kunstgegenständen möglich macht, auf deren Existenz es damals noch keine Hinweise gab. (tso/ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar