Gemäldegalerie : Oase der Bilder

Seit zehn Jahren residiert die Berliner Gemäldegalerie am Kulturforum. Jetzt ruft die Museumsinsel. Bis es zu einem Umzug kommen kann, ist es aber noch ein weiter Weg.

Nicola Kuhn
Wurzacher Altar
Ein Ort der Muße. Die Flügel des berühmten Wurzacher Altars (um 1400) - in der Gemäldegalerie ist man oft mit den Werken allein. -Foto: dpa

Eigentlich ist die sommerliche Hitze ideal für einen Besuch der Gemäldegalerie: kühle Räume, gerade Fluchten und ein Museum fast für sich allein. Das Gleiche gilt für die winterliche Jahreszeit: wohltemperierte Säle, Bilder, die das Herz erwärmen, und Ausstellungssäle, in denen so gut wie niemand beim Betrachten der alten Meister stört. Im Pariser Louvre, Madrider Prado, der Londoner National Gallery könnte einem das kaum passieren. Hier aber wird ein Bilderschatz von Weltrang vom großen Publikum ignoriert, zumindest scheint es so. Der Statistik nach wurde 2006 zwar eine halbe Million Besucher gezählt. Erstaunlich nur, dass man von ihnen dort so wenige traf. Die Ausnahme war jener bemerkenswerte Kindertag im vergangenen Jahr, bei dem endlich ein Leben in den Hallen war, dass man schon um die Vermeers, Rembrandts, Tizians zu fürchten begann.

Die Berliner Gemäldegalerie hat es schwer. Das wird anlässlich des Jubiläums, das die am Kulturforum beheimatete Sammlung an diesem Donnerstag begeht, wieder schlagartig klar. Berlin ist die Stadt der Museen. Kein Tourist, der nicht zur Museumsinsel pilgern würde, um die Nofretete und den Pergamonaltar zu sehen. Die Gemäldegalerie aber liegt abseits der gängigen Besucherpfade trotz ihrer Nähe zum quirligen Potsdamer Platz. Und das ist wirklich ungerecht, denn weder können die Gemälde etwas dafür – Berlin besitzt nach Amsterdam die meisten Rembrandts, exzellente frühe Niederländer und herrliche Beispiele der italienischen Renaissance –, noch ist deren Präsentation schlecht. In dem von Hilmer & Sattler errichteten Bau hängen die Werke edel; klassisch zur Linken und Rechten der großen Wandelhalle in italienische Malerei des 13. bis 18. Jahrhunderts und niederländische des 15. bis 17. Jahrhunderts aufgeteilt.

Das Dilemma ist der Ort, die unselige Lage am Kulturforum, das mit seiner schiefen Betonpiazza als Verteiler noch jedes der dort angesiedelten Museen – Kupferstichkabinett, Kunstgewerbemuseum, Kunstbibliothek – zu einem Schattendasein verdammt, egal wie hochkarätig die gehüteten Schätze auch sind. Zur Gemäldegalerie ist der Zugang allerdings besonders quälend. Erst muss der Besucher ein Allerweltsfoyer passieren, wie man es von großen Verwaltungen kennt; von dort erfolgt das Entree über eine Rotunde aus Glasbausteinen, die jeder Sparkasse zur Ehre gereichen würde.

Daran liegt es auch, dass niemand recht zur Verteidigung der Gemäldegalerie antrat, als vor der Eröffnung des Bode-Museums die besten Bilder auf die Museumsinsel wandern sollten. Dieser Zwist hat sich längst geklärt; Skulpturen und Gemälde ergänzen sich dort in den Sälen des wiedereröffneten Museums prächtig. Der Drang, nun vollständig in die Nähe der Museumsinsel in einen Neubau auf dem ehemaligen Kasernengelände zu wechseln, ist seitdem nur noch verstärkt.

Das Debakel der Galerie

Solche Umzugspläne, keine zehn Jahre nach Eröffnung des für 146 Millionen Euro errichteten Baus, verdeutlichen nur noch mehr das Debakel der Galerie. Der damalige Generaldirektor Wolf-Dieter Dube hatte sich dem Druck gebeugt, die auf Ost und West verteilten Bestände so schnell wie möglich wieder zu fusionieren und den letzten Museumsbau am Kulturforum endlich zu vollenden. Unter seinem Nachfolger Peter-Klaus Schuster wurden die Masterpläne jedoch wieder neu geschrieben. Er favorisiert eine Konzentration des 20. und 21. Jahrhunderts am Kulturforum, bei der die Neue Nationalgalerie in die Säle der Alten Meister wechseln würde und der Mies-van-der-Rohe-Bau ausschließlich Sonderausstellungen dient. Für die Gemäldegalerie scheint die Lösung ideal, damit wäre sie ins Zentrum gerückt, nicht zuletzt als Gegenstück zum Humboldt-Forum mit den außereuropäischen Kulturen. Auch die über Platzmangel klagende Neue Nationalgalerie könnte ihre Sammlung endlich adäquat präsentieren. Und doch beginnt man schon um die Klassische Moderne, den Beuys-Block, die großen Abstrakten zu bangen, dass auch sie dann am Kulturforum abgemeldet sein werden.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Auch wenn es den Architekturwettbewerb und die zustimmenden Beschlüsse vom Bundestags bereits gibt, so fehlt es doch an den bereitgestellten Mitteln. Diese Zeit aber kann man nutzen, um für die Gemäldegalerie zu werben. Fraglos bleibt sie mindestens noch weitere zehn Jahre am Kulturforum bestehen.

Jubiläumsveranstaltung am 12. 6. von 18 bis 22 Uhr mit Gesprächen (Direktor Bernd W. Lindemann über die Zukunft der Gemäldegalerie) und Führungen.

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