Kultur : Gemeinsam malt es sich besser

Tagesspiegel-Diskussion zu „Painting forever!“.

Tatjana Kerschbaumer

Bei Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf. Oder sie beginnt. So geschehen in diesem Herbst mit dem Gemeinschaftsprojekt „Painting forever!“ im Rahmen der Berlin Art Week, das auf Drängen und mit finanzieller Unterstützung des Berliner Senats gestemmt wurde. Im Tagesspiegel-Salon debattierten die vier Ausstellungskuratoren Udo Kittelmann, Thomas Köhler, Eva Scharrer, Ellen Blumenstein sowie der Künstler Michael Kunze über den Stand der Malerei, die wirtschaftliche Instrumentalisierung der Kunst und die künftige Zusammenarbeit der Institutionen.

Seit Jahrzehnten erfährt die Malerei ihre letzte Ölung, wirklich tot war sie nie. Stattdessen genießt sie Ewigkeitsanspruch. Um das zu beweisen, schlossen sich Neue Nationalgalerie, Berlinische Galerie, die Kunst-Werke und die Deutsche Bank Kunsthalle zusammen. „Man agiert nun mal am stärksten als Gruppe“, so Thomas Köhler (Berlinische Galerie), gerade weil Neue Medien der Malerei doch „stark zugesetzt“ hätten. Dafür seien Gemälde leichter zugänglich als beispielsweise Konzeptkunst, behauptete Ellen Blumenstein (Kunst-Werke): „Auch wer kein regelmäßiger Ausstellungsbesucher ist, hat ein bestimmtes Verhältnis zur Malerei.“ Und Kittelmann (Nationalgalerie) wusste, warum diese Kunstform ungebrochen populär ist: „Wir leben in konservativen Zeiten.“ Dass die Malerei etwas nie Dagewesenes, absolut Neues bieten könnte, daran glaubt er als Skeptiker ohnehin nicht: „Zumindest nicht mehr zu meinen Lebzeiten“.

Ob die Kuratoren durch die finanzielle Unterstützung des Senats instrumentalisiert worden seien, fragte Moderatorin Nicola Kuhn, Kunst-Redakteurin des Tagesspiegel. Die Meinungen der Podiumsgäste gingen auseinander, einzig die Tatsache „clean sind wir alle nicht“ ließ sich festhalten. Kunst sei schließlich ein legitimer Wirtschaftsfaktor. Dennoch legten alle vier Kuratoren Wert auf ihre konzeptionelle Unabhängigkeit. Was jedoch gemeinsame Festlichkeiten angehe, habe dann doch „das Begrabbeln überhandgenommen“, so Michael Kunze, dessen Bilder in der Neuen Nationalgalerie gezeigt werden. Kurzes Schweigen herrschte bei der Frage, ob man auch in Zukunft bei besonderen Projekten zusammenarbeiten würde. Kittelmann brach endlich mit einem klaren „Ja“ eine Lanze für kommende Kooperationen: „Die Galerien einer Stadt sollten sich niemals als Konkurrenz sehen.“ Tatjana Kerschbaumer

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