Kultur : Gemeinsam stark

-

SOTTO VOCE

Jörg Königsdorf freut sich über das Zusammenwachsen von West und Ost

Der Akt der Versöhnung passt gut in die vorweihnachtliche Besinnungszeit: Erstmals findet in der kommenden Woche der Berliner ArturSchnabel-Klavierwettbewerb mit Beteiligung beider Berliner Musikhochschulen statt. Zum ersten Mal sitzen bei dem traditionsreichen Wettbewerb der UdK auch Professoren der Hanns-Eisler-Hochschule in der Jury und spielen Eisler-Studenten mit um die Preise. Das ist nicht nur ein Zeichen für die Harmonisierung des Klimas zwischen den beiden Hochschulen, sondern schafft endlich auch eine Plattform, auf der sich die besten Nachwuchspianisten der beiden Talentschmieden präsentieren können. Und dass Berlin da einiges zu bieten hat, haben gerade die internationalen Wettbewerbserfolge junger Berliner Pianisten bewiesen: Ob Martin Helmchen, Cédric Pescia oder Severin von Eckardstein - in den letzten Jahren ist der Ruf der Klavierstadt Berlin wieder mächtig aufpoliert worden. Ideal wäre da natürlich ein Wettbewerb von internationalem Prestige, wie der im letzten Monat erstmals ausgetragene Emanuel-Feuermann-Cellowettbewerb – doch davon muss man eben noch träumen.

Die verdoppelte Bedeutung des Wettbewerbs und das damit quasi automatisch steigende Niveau macht ihn natürlich auch für Zuhörer noch spannender – ein bisschen Konkurrenzdenken der beiden Hochschulen gehört da ebenso dazu wie bei der Traditions-Ruderregatta Oxford gegen Cambridge. Umsonst ist der Besuch der drei Durchgänge am Montag, Mittwoch und Freitag im Konzertsaal Bundesallee der UdK übrigens auch. Wer alle Kandidaten hören will, muss sich allerdings schon um 10 Uhr einfinden, wer nur eine Stichprobe machen will, muss vielleicht etwas warten, bis der gerade spielende Kandidat sein Stück beendet hat.

Für alle, die der nervenzehrenden Wettbewerbsauslese des Konzertbetriebs skeptisch gegenüberstehen, bietet das Berliner Sinfonie-Orchester von Samstag bis Montag übrigens die bestmögliche Argumentationshilfe: Der ukrainische Wunderpianist Konstantin Lifschitz , den sich Dirigent Dietrich Fischer-Dieskau und das Orchester für Brahms’ zweites Klavierkonzert ins Konzerthaus holen, hat seine Karriere ganz ohne Wettbewerbserfolge gemacht. Sondern nur mit Talent.

0 Kommentare

Neuester Kommentar