Kultur : Gemischte Gefühle

Liebermann-Auktion bleibt ohne Höchstpreise

Michaela Nolte

Drei Dutzend Gemälde, Ölskizzen und Pastelle von Max Liebermann, dazu jede Menge Zeichnungen, Grafiken und Autographen auf einen Streich – die Offerte hatte bereits im Vorfeld der Auktion für Aufsehen gesorgt (vgl. Tagesspiegel vom 17. September) . Denn nicht Sotheby’s oder Christie’s, auch nicht die deutschen Marktführer Lempertz oder die Villa Grisebach waren für die Versteigerung der Sammlung des ehemaligen Hertie-Inhabers Hans-Georg Karg auserkoren worden. Die Wahl der Karg-Stiftung für Hochbegabtenförderung, die als Erbin des Unternehmers den Nachlass verwaltet, fiel auf das Münchener Auktionshaus Hampel. Dort ist man zwar eher auf Antiquitäten oder Memorabilien heimischer Prominenz und des Adels abonniert, doch der Inhaber und Auktionator Holger Hampel hatte mit dem Verzicht auf das Aufgeld gelockt. Für Ärger sorgte dann eine saloppe Handhabung der Provenienzen, die Erben ehemaliger jüdischer Sammler, Raubkunstforscher und den Zentralrat der Juden auf den Plan rief: Vier kapitale Bilder wurden schließlich sogar von der Auktion zurückgezogen, um die Restitutionsansprüche zu klären.

Mit rund 80 Prozent verkauften Losen verbucht der Juniorchef Patrick Hampel die Versteigerung dennoch als Erfolg. Heiß umkämpft waren die frühe Ölstudie „Spielende Kinder“, die ein Hamburger Bieter von 85000 auf 120000 Euro steigerte, oder das Genrebild „Stille Arbeit“, das ein norddeutsches Museum mit 220000 Euro um ein Drittel über die Taxe hob. Zum Spitzenlos des Nachmittags avancierte ein auf 180000 Euro geschätztes Wannseebild, für das ein Münchener Sammler 400000 Euro bot. Ein 1915 gefertigtes Selbstbildnis kletterte auf 130000 Euro, und für einen zwei Jahre früheren „Jäger in den Dünen“ bewilligte ein Kölner Privatsammler 220000 Euro. Unterhalb seiner Schätzung blieb das Ölbild „Junge mit Ziegen“ bei 250000 Euro und wurde einem deutschen Museum unter Vorbehalt zugeschlagen. Verhandelt wird auch noch um die auf 180000 Euro geschätzte Ölstudie „Schulgang in Laren“, für die ein Berliner Sammler 140000 Euro zahlen würde. Ansonsten ist die Ausbeute aus Berliner Perspektive gering. Die Berliner Liebermann-Gesellschaft konnte immerhin einige Briefe erwerben. Die Akademie der Künste erhielt den Zuschlag für ein Skizzenbuch.

Für das Auktionshaus ging die Rechnung auf. Die Gartenvilla in Schwabing war zum Bersten voll und die Auktion in aller Munde. Zwiespältig bleibt das Ergebnis letztlich für die Karg-Stiftung. Das Renommee ist angekratzt, und das Schicksal des ursprünglichen Hauptloses „Wirtshaus in Overveen“, für das ein Erlös von 650000 Euro erhofft worden war, ungewiss. Patrick Hampel wähnt sich rechtlich auf der sicheren Seite. Immerhin sind die Bilder im 1995 publizierten Werkverzeichnis der Gemälde und Ölstudien Max Liebermanns aufgeführt. Von Seiten der Stiftung wollte dagegen niemand mehr ein Statement zu der Auktion abgeben.

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