Kultur : Generation 14plus

Cidade dos homens

Gleich das erste Bild erinnert an „City of God“, bei dem Fernando Meirelles 2002 (mit Kátia Lund) Regie führte: Muskulöse schwarze Männer, mit Maschinenpistolen bewaffnet, halten Wache über dem dichten Häusergewirr einer Favela in Rio de Janeiro. Sie blicken durch die wabernde Hitze über das heruntergekommene Dona Marta, im Hintergrund schimmert ein azurblauer Strand. Doch „Cidade dos homens“ (Englisch: „City of Men“) ist kein einfacher Abklatsch der brutalen Drogengeschichte über Jugendbanden in Brasilien.

Dieses Mal hat Meirelles den Film produziert, Regie geführt hat Paulo Morelli. Es geht um die beinahe erwachsenen Freunde Acerola und Laranjinha (wie in der gleichnamigen Fernsehserie gespielt von Douglas Silva und Darlan Cunha), die zwischen die Fronten rivalisierender Banden geraten. Immer wieder wird das Problem aufgegriffen, ohne Vater aufzuwachsen. Laranjinhas größter Wunsch ist es, seinen Vater kennenzulernen. An seinem 18. Geburtstag will er seinen „richtigen“ Familiennamen im Pass stehen haben. Acerola, der ebenfalls ohne Vater aufgewachsen ist, hat Angst vor der Zukunft. Nie hat er mit einer anderen Frau geschlafen als der, die er geheiratet hat; in der Rolle als jugendlicher Familienvater fühlt er sich total überfordert. Während eines Strandbesuchs vergisst er seinen kleinen Sohn und fährt ohne ihn nach Hause.

Dass die Favelas von Rio trotz der paradiesischen Umgebung die Hölle sind, wird klar, als der Bandenkrieg außer Kontrolle gerät und die beiden Clan-Chefs und ehemaligen Drogengeschäftspartner Midnight und Nefasto ein Wettrüsten gegeneinander beginnen. Acerola und Laranjinha finden sich plötzlich vor verwüsteten und abgebrannten Häusern wieder, und das Treffen mit Laranjinha und seinem Vater bringt ein dunkles Geheimnis ans Tageslicht, das die Freundschaft der beiden schwer gefährdet. Auch dass dieser neu gewonnene Vater den besten Freund seines Sohnes nicht besonders leiden kann, wird schnell deutlich.

Paulo Morelli ist es gelungen, Probleme mit Freundschaft, Erwachsenwerden, junger Vaterschaft und Selbstfindung in einer Kulisse aufzuzeigen, in der Moral nahezu keine Rolle spielt. Drogenhandel und Banden sind der Hintergrund, vor dem „Cidade dos homens“ spielt. Wenn die Familie versagt und sich Menschen im Stich gelassen fühlen, suchen sie Zuflucht bei den Banden. Kein Film für Zartbesaitete!

Heute 17 Uhr (Babylon)

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