Generationbuch : Heulen verboten

Die politische Generation Faceboook: Der Journalist Daniel Boese porträtiert in seinem Buch "Wir sind jung und brauchen die Welt" junge Klimaretter

Alexander Leopold

Der Titel dieses Buches ist nur wenig verheißungsvoll: „Wir sind jung und brauchen die Welt“, das lässt an eine weitere Generationsnabelschau denken, an noch ein Buch „über eine Generation und ihre Luxusprobleme“ oder über eine Generation auf der Psychocouch. Mit den Büchern der 1982 und 1983 geborenen Autorinnen Nina Pauer („Wir haben keine Angst“) und Meredith Haaf („Heult doch“) lässt sich das Buch des 1977 geborenen Journalisten Daniel Boese allerdings nicht vergleichen. Ihm geht es vielmehr um „die klimarevolutionäre Jugend“, „die erste wahrhaft globale Jugendbewegung“ oder gleich „die größte Jugendbewegung aller Zeiten“. Um junge Menschen also, deren oberstes Anliegen das Abwenden der Klimakatastrophe ist, die sich aktiv für die Rettung des Klimas einsetzen und sich über das Internet zusammenschließen.

Ob sie politischer und internationaler sind als die 68er, wie Boese eingangs postuliert, sei dahingestellt, genauso, ob diese Jugendbewegung zahlenmäßig wirklich so groß ist – beeindruckend ist trotzdem, mit welcher Hingabe sie sich ihren Protestaktionen und ihrem Informationsaustausch in Blogs, Wikis oder bei Facebook widmet. Boese war 2009 und 2010 auf den Klimagipfeln in Kopenhagen und Cancún, er war in Indien und China, in Kenia und Togo, und überall hat er junge Klimaretter getroffen, die er in seinem Buch porträtiert. Sie halten eigene Gipfel ab, verabreden weltweite Aktionstage, blockieren Landebahnen auf Flughäfen, legen Kohlekraftwerke lahm, pflanzen Bäume, setzen sich für erneuerbare Energien ein – und bekämpfen so „die globale Kultur der Verantwortungslosigkeit“, wie es der Kulturwissenschaftler und Sozialpsychologe Harald Welzer in seinem Vorwort formuliert.

„Wir sind jung und brauchen die Welt“ funktioniert als Mutmacher wie als Kompendium, wenn gleich die Vielzahl der vorgestellten Organisationen, Gruppen und Verbände mit ihren Eigennamen die Lektüre manchmal etwas beschwerlich macht. Daniel Boese aber geht es nur um die Klimasache, um seine Aktivisten, um eine Nabelschau anderer Art – und vielleicht wird die offizielle Politik eines Tages die jungen Klimaretter nicht mehr nur als Störenfriede ansehen. Dem Klima, also unserem Planeten, kann das nur guttun.

Daniel Boese: Wir sind jung und brauchen die Welt. Wie die Generation Facebook den Planeten rettet.Oekom Verlag, München 2011.252 Seiten, 14,95 €.

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