Kultur : Genforschung: Ein Recht mit Grenzen

Kerstin Kohlenberg

Zum Thema Online Spezial: Die Debatte um die Gentechnik Die Genforschung bleibt in Deutschland in der Diskussion. Zurzeit geht es vor allem um die Forschung an embryonalen Stammzellen. Auf der einen Seite wollen Politiker fast aller Parteien und die Kirche den absoluten Schutz des Lebens nicht aufgeben. Nach ihrer Meinung beginnt dieser Schutz von der Befruchtung der Eizelle an. Auf der anderen Seite soll Deutschland auch den Anschluss an die internationale Forschung nicht verlieren. Das Embryonenschutzgesetz, das 1990 als Reaktion auf die ersten Reagenzglaskinder verabschiedet wurde, erlaubt die künstliche Befruchtung nur zur Fortpflanzung. Die Forschung an Embryonen ist verboten. Dass eines Tages die Zellen aus dem Zellkern eines dieser wenige Tage alten Embryos für die Forschung wichtig werden würden, bedachte man nicht. Daher wurde die Forschung nicht verboten. Man muss die Zellen aufgrund des Embryonenschutzgesetzes aber nach Deutschland importieren. Die Regierung hat die deutschen Forscher gebeten, bis zum Herbst nicht an eingeführten Zellen zu experimentieren. Bis dahin will sie eine Entscheidung für Embryonenschutz oder -Forschung getroffen haben. Im Folgenden dokumentieren wir, welche Gesetzesgrundlagen es in anderen Ländern gibt.

Die Forschung an menschlichen Embryos ist nicht erlaubt in:

Irland: Weil das Recht des Ungeborenen auf Leben gleichbedeutend mit dem der Mutter ist (in der Verfassung verankert).

Österreich: Embryonen dürfen auch hier nur zur Reproduktion erzeugt werden (Gesetz von 1992).

Ungarn und Polen: Das Leben gilt als schützenswert von der Befruchtung an (Gesetz von 1992/1993).

Norwegen: Embryonen dürfen nur zur Fortpflanzung erzeugt werden (Gesetz von 1995).

Tunesien: Experimente an Embryonen (seit 1996) und Klonen (seit 1997) sind verboten.

Schweiz: Embryonen dürfen nur zur Fortpflanzung hergestellt werden (Verfassung 1999).

Italien: Das Erzeugen von Embryonen nur zum Forschungszwecke ist ebenso verboten wie das therapeutische und reproduktive Klonen.

Frankreich: Noch ist das Forschen an embryonalen Stammzellen verboten. Der Gesetzentwurf der Regierung über die bioethischen Grundsätze der Zukunft öffnet den Wissenschaftlern jedoch die Möglichkeit, unter strengen Auflagen an überzähligen Embryonen zu forschen. Obwohl sich Premierminister Lionel Jospin zuerst auch für das therapeutische Klonen stark gemacht hatte, folgte er im Juni dieses Jahres dem negativen Votum des Staatsrates, dem höchsten Verwaltungsgericht.

In Lateinamerika ist der Umgang mit embryonalen Stammzellen nur in einigen Ländern geregelt:

Brasilien: Die Produktion, Manipulation und Aufbewahrung von menschlichen Embryonen ist verboten (1995).

Peru: Das Land verbietet ausdrücklich sowohl die Befruchtung einer Eizelle zu einem anderen Zweck als der Fortpflanzung, als auch das menschliche Klonen.

Costa Rica und Ecuador: Beide Länder schützen das Recht auf Leben von dem Moment der Befruchtung an. Konkrete Gesetze zum Umgang mit embryonalen Stammzellen gibt es nicht.

Das Forschen an überzähligen menschlichen Embryonen ist erlaubt:

Kanada, Schweden und Finnland (seit 1999): Forschung an überzähligen Embryonen aus der künstlichen Befruchtung, die nicht mehr in die Gebärmutter der Frau eingesetzt werden sollen, ist erlaubt. Generell ist das Forschen an Embryonen, die nicht älter als 14 Tage sind, erlaubt, wenn das Paar, dem der überzählige Embryo gehört, einverstanden ist. Das würde auch das therapeutische Klonen einschließen, eine genaue Regelung gibt es jedoch nicht.

Spanien: Das Forschen an überzähligen Embryonen ist unter strengen Auflagen erlaubt, die Herstellung von Embryonen zu Forschungszwecken - das therapeutische Klonen - ist jedoch verboten. Im September 2000 hat der Rechts- und Bioethikrat in Barcelona jedoch seine Unterstützung für das therapeutische Klonen ausgesprochen.

Australien: Das Forschen ist unter unterschiedlichen Auflagen in den verschiedenen Staaten erlaubt. In einigen Bundesstaaten gibt es keine gesetzliche Regelung.

Japan: Seit 2000 gibt es ein Gesetz, dass das Forschen an überzähligen Embryonen erlaubt und das reproduktive Klonen verbietet.

Gesetz in Planung:

Holland und Belgien: Beide Länder erarbeiten gerade ein Gesetz, das die Forschung an überzähligen Embryonen erlaubt, und das therapeutische Klonen verbietet - allerdings mit sehr vielen Ausnahmen.

USA: Hier ist die staatliche Förderung der Embryonen-Forschung verboten. Es ist aber jedem Bundesstaat überlassen, Richtlinien für die Forschung festzulegen. Neun Staaten haben die Forschung bereits verboten.

Forschung an Embryonen sowie therapeutisches Klonen erlaubt:

England: Seit 1990 ist hier die Forschung an überzähligen Embryos, vor allem zum Zwecke der Fortpflanzungsmedizin und der Diagnose von genetischen Krankheiten, unter Auflagen erlaubt. Im Januar diesen Jahres hat das Haus of Lords ein Gesetz verabschiedet, dass das therapeutische Klonen zum Zwecke der Stammzellengewinnung erlaubt.

Israel: Forschung an Embryonen erlaubt. Seit 1998 gibt es ein Moratorium zum Thema Klonen, das die Forschung zum therapeutischen Klonen zulässt, das Einpflanzen des Klons in die Gebärmutter einer Frau - das reproduktive Klonen - jedoch verbietet.

Das vom Europarat vorgelegte Protokoll zum Klonverbot haben unterzeichnet:

Dänemark, Griechenland, San Marino, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Spanien.

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