• Gentechnik und Ethik: "Die Welt wird nicht mehr dieselbe sein" - Reaktionen auf Vorschläge von DFG und FDP zur Gentechnik

Kultur : Gentechnik und Ethik: "Die Welt wird nicht mehr dieselbe sein" - Reaktionen auf Vorschläge von DFG und FDP zur Gentechnik

Bas Kast

Die Stellungnahme der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vom vergangenen Donnerstag, in der sie sich für die Gewinnung von menschlichen embryonalen Stammzellen auch für Forscher in Deutschland ausspricht, hat für heftige Reaktionen gesorgt. Auch die FDP fordert in einer vom Parteitag angenommenen Resolution die Forschung an embryonalen Stammzellen bis zum 14. Tag. Die Reaktionen auf beide Vorstöße waren überwiegend ablehnend.

Die Kirchen warnten vor einem Kurswechsel in der Stammzellenforschung. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, bezeichnete die Empfehlungen der DFG als verhängnisvoll. Dies sei eine "im Ausmaß überraschende, grundsätzliche Wende in der Forschungspolitik", sagte Lehmann. Es müsse befürchtet werden, dass die Vorschläge eine "eigene Dynamik" entfalten, an deren Ende eine grundlegende Änderung des Embryonenschutzgesetzes stehe.

Der Berliner evangelische Bischof Wolfgang Huber kritisierte, Wissenschaft und Wirtschaft versuchten, vollendete Tatsachen zu schaffen, bevor der Nationale Ethikrat, dem Huber angehört, seine Arbeit aufgenommen habe. Huber sprach von einem "Affront gegen den Ethikrat".

Die Politik zeigte sich uneinig. Die Grünen lehnten eine Aufweichung des Embryonenschutzgesetzes strikt ab. "Wir werden uns entschieden dagegen stellen", sagte der rechtspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck. "Wir sind bei dieser Frage nahe bei den Positionen der beiden großen Kirchen." Beck bezeichnete die "verbrauchende Embryonenforschung" als "ethischen Dammbruch". "Nach ihrer Zulassung ist diese Welt nicht mehr dieselbe", sagte er. Die ethische Stellung des menschlischen Lebens würde sich grundsätzlich wandeln.

Der Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Rezzo Schlauch, warf der FDP vor, bei ihr gebe es in der Gentechnik keine Grenzziehung, für sie sei auf diesem Gebiet alles möglich. "Das ist problematisch, um nicht zu sagen: verantwortungslos", sagte Schlauch.

Die Wissenschaftsministerin von Thüringen, Dagmar Schipanski (CDU), plädierte für eine Debatte über die Zulässigkeit des therapeutischen Klonens in Deutschland. "Wir sollten offen über die Möglichkeit des Klonens zum Zweck der Gewinnung von Gewebe, das Menschen mit Alzheimer-Demenz oder Multipler Sklerose helfen kann, diskutieren", sagte sie. "Eines Tages könnten uns Schwerkranke fragen, mit welchem Recht wir sie in ihren Schicksalen belassen", sagte Schipanski.

Die Forscher begrüßten den Vorstoß. Der Molekularbiologe und Vorsitzende der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, Detlev Ganten, der ebenfalls dem Ethikrat angehört, sagte, ein "Dammbruch" in der Forschung stehe nicht bevor. Der Vorschlag habe Empfehlungscharakter und keinerlei Gesetzeskraft. Wenn ein Antrag auf Stammzellen-Import sorgfältig genehmigt und kontrolliert werde, breche "nicht gleich das Unheil über die Bundesrepublik herein", sagte Ganten.

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