Kultur : Genuss ohne Reue

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KLASSIK

In sommerlicher Farbe und Spiellaune ging der Auftakt zur neuen Konzertsaison im Konzerthaus über die Bühne. Die gut aufgelegten Berliner Symphoniker präsentierten ein pfiffiges Programm mit ihrem südamerikanisch locker und elegant loslegenden Gastdirigenten Eduardo Marturet, der im Laufe des Nachmittagskonzertes manch heißes Tänzchen wagte. Clou des Konzertes waren Edward Elgars Enigma-Variationen, bei denen die hauptstädtischen Symphoniker ihr ganzes spielerisches Leistungsvermögen und Farbempfinden, ihre Vitalität und Beweglichkeit an den Tag legen konnten. Nach der letzten Variation mit dem kraftvoll orgelnden Sound erreichte dann auch der Beifall des in Scharen herbeigeströmten Publikums sommerliche Temperaturen. Solistin war Maria Littauer, die Mozarts Klavierbestseller in A-Dur KV 488 spielte, rundum gediegen und mit einem gesunden, energievollen Deklamationsstil. Einiges wirkte freilich musikalisch wie spieltechnisch etwas zu schwerblütig. Auch das bei diesem Mozart zu dickflüssig klingende Orchester war kein reiner Genuss, die spirituelle Heiterkeit und Transparenz kamen zu kurz. Auch Mendelssohns „Meeresstille und glückliche Fahrt“ op. 27 war klangfarblich keinesfalls zimperlich angelegt. Als ein klang- und gedankenreiches Werk erwiesen sich die Reminiscences für Orchester des 85-jährigen Dietrich Erdmann, der sich einst als Professor an der Berliner Pädagogischen Hochschule Verdienste erworben hat. Die vielschichtigen An- und Nachklänge in seiner plastischen Orchesterkomposition gewinnen eine fast schaubare Klangwirksamkeit. Der Hindemith-Schüler weiß instrumentationstechnisch seine Register gekonnt zu ziehen, auf besonders originelle Weise am Schluss, wenn ein aufgekratztes Pauken-Schlagwerksolo das Finale einläutet. Es spricht für die Berliner Symphoniker, dass sie sich auch für weniger bekannte Meister engagieren - und damit einen guten Griff tun. Eckart Schwinger

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