Kultur : George W. Bush: Die Hintermänner und ihr Hauptdarsteller

August Kleinzahler

Der Zeichner Gary Trudeau porträtiert George W. Bush in einem Comicstrip als großen Cowboyhut mit einer Feder darunter. Das trifft die Sache zwar ganz gut, aber wir wussten es schon mehr oder weniger. Was viele nicht wussten, war schlicht, wie unverschämt Bushs Aufseher darin waren, ihren Handlanger sich nach der Industrie strecken zu lassen, den reichen und dümmeren Elementen des rechten Flügels.

Inzwischen zeichnet sich ein Muster ab. Während Bush in Richtung der politischen Mitte noch Täuschungsmanöver macht, wendet er sich schon hart nach rechts. Diejenigen, die seine Karriere in Texas verfolgt haben, kann das nicht verwundern. Seine Präsidentschaft wird eher derjenigen von Ronald Reagan ähneln als der seines Vaters. Bush-Vater machte den rechten Flügel abspenstig, indem er die Steuern erhöhte und sich weigerte, sich dessen extremsten Elementen zu beugen. Das kostete ihn den Wahlsieg, und der alte Mann leckt immer noch seine Wunden. Die Gewinnsucht übertrumpft nun alle Prinzipien.

Ein politischer Kommentator flapste, dass nach Vizepräsident Dick Cheneys Herzbeschwerden kurz vor der Wahl Bush nur noch einen Herzschlag von der Präsidentschaft entfernt gewesen sei. Wie die meisten gelungen Witze ist auch dieser nahe genug an der Wahrheit: Wir müssen darüber lachen, wenn auch nervös. Ganz offenkundig handelt Bush nach einem festen Drehbuch und darf keine Entscheidungen aus eigener Initiative treffen. Gott sei Dank: Er ist ein Hohlkopf. Aber Cheney ist nicht allein damit beschäftigt, an den Fäden dieser besonderen Marionette zu ziehen.

Mit Cheney an Bord ist sein alter Mentor aus der Ford-Regierung, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Cheney bat aggressiv darum, Rumsfeld den Job zu verschaffen, und setzte sich damit gegen Außenminister Powell und seine Wahl für die Position durch. Seither haben Cheney und Rumsfeld Powell in Bedrängnis gebracht und seine Stellung ausgehöhlt, am unerhörtesten in Bezug auf die amerikanische Politik gegenüber dem Irak. Es ist zu vermuten, dass Condoleeza Rice, die Chefin der nationalen Sicherheit, diesem Beispiel folgen wird. Sie hat ihren Job nicht wegen ihrer Brillianz und Unabhängigkeit bekommen. Sie hat ihn bekommen, weil sie eine Schwarze ist, die eine Nase dafür hat, wo die Macht ist.

Sie alle - Cheney, Rumsfeld und Rice - sind wenig zimperlich, und sie sind scharf auf einen Kalten Krieg, um weitere 500 Millionen für die Verteidigungsindustrie zu rechtfertigen: eine Industrie, die in alle drei mächtig investiert hat und nun großzügige Erträge erwartet. Es ist nicht zu erwarten, dass sich Powell ihnen kampflos überlässt. Erste Anzeichen weisen ihn als Pragmatiker aus. Er ist auch das einzige Mitglied, der öffentlich nicht als Speichellecker erscheint. Das amerikanische Verhalten während des Spionageflugzeug-Debakels in China legt die Vermutung nahe, dass Powell, wenn auch nur kurz, über seine Widersacher gesiegt hat. Es gab kein großes Säbelrasseln, und das Trio Cheney-Rumsfeld-Rice hielt sich im Hintergrund.

Als Clinton aus dem Amt schied, hinterließ er einen zweifelhaften Geruch und kompromittierte seine Partei schon in den ersten Wochen der neuen Regierung. Mit einer angeekelten Öffentlichkeit und einer entmutigten Opposition wirkte Cheney wie jemand, der sich entschlossen hatte, zu ignorieren, dass er und sein Chef auf eine Weise zur Macht gekommen waren, die viele nur für einen juristischen Coup des Obersten Gerichtshofes hielten. Cheney und seine Freunde werden versuchen, eine Billion Dollar vom Allgemeinwohl auf das reichste Prozent der Bevölkerung zu übertragen. Sie werden jede Aussicht auf Frieden in Korea zerstören, unsere Beziehungen mit China und Russland destabilisieren, einige Dutzend Millionen für ein Raketenschutzschild verplempern, das obsolet sein wird, bevor es jemals läuft. Sie werden die Vereinbarungen von Kyoto untergraben und nach Öl und Gas bohren, wo immer sie können - egal ob in der Wildnis von Alaska oder mitten in Manhattan. Es war nicht nur die Verteidigungsindustrie, die Cheney und Bush an die Macht brachte, es war die Öl- und Gasindustrie. You gotta dance with who brung ya - man muss mit dem tanzen, der dich mitgebracht hat. In der Tat wird sich die Energiekrise in Kalifornien im ganzen Land wiederholen, solange Cheney die Deregulierung der Gas- und Ölindustrie vorantreibt und weitere Millionen für preisdrückerische Profiteure in Texas spendiert.

Wie ihr Held Ronald Reagan demolieren die neuen Jungs in Washington D.C wahrscheinlich die Wirtschaft und spielen womöglich noch einmal die siegreichen Weltkrieger. Zweifellos wird dann ein neuer Flughafen nach Bush benannt - wie bei seinem illustren Vorgänger. Die Presse dieses Landes, die auf mysteriöse Weise schlapp geworden ist, zeigt alle Anzeichen, diesen Halunken die Wohltat des Prinzips "Im Zweifel für den Angeklagten" zu erweisen, während die kopf- und mutlosen Demokraten sich abstrampeln, auf die Titelseiten zu kommen. Zumindest hoffen Cheney und Rumsfeld das - und auch mit gewissem Recht. Aber beiden sage ich wie ihrer gehorsamen Puppe im Stetson: Gemach, Jungs, gemach. Rom wurde auch nicht an einem Tag in Schutt und Asche gelegt.

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