Geplantes Mahnmal : Sinti-Allianz lehnt Denkmal-Kompromiss ab

Im Tauziehen um das geplante Denkmal für die von den Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma verhärten sich die Fronten wieder. Die Sinti-Allianz lehnte nun einen Kompromissvorschlag ab, da die Aufschrift nur Roma erwähne.

Berlin - Eine Lösung im Streit um das in Berlin geplante Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma ist entgegen ersten Äußerungen nach einem Gespräch im Kanzleramt am Montag noch nicht in Sicht. Dabei hatten sich Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma auf einen Kompromiss verständigt, der allerdings noch der Zustimmung des Koalitionspartners und der anderen Opfergruppen bedarf.

Am Dienstag meldete die Sinti Allianz Deutschland ihren Widerstand gegen den Kompromiss an und kündigte sofortige neue Gespräche mit der Bundesregierung an. Auch Kulturpolitiker der SPD und FDP äußerten Bedenken. Das vom Bund finanzierte Denkmal in Gestalt eines Brunnens mit einem Obelisken soll in unmittelbarer Nähe des Reichstags errichtet werden.

«Die Bundesregierung hat die Verantwortung, für ein angemessenes Gedenken aller Zigeuner zu sorgen und nicht nur Herrn Rose einen Gefallen zu tun», sagte eine Sprecherin der Sinti Allianz der dpa. Romani Rose ist Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Die Sinti Allianz versteht sich ebenfalls als ein Dachverband mehrerer Organisationen. Eine Tafel an dem von Dani Karavan entworfenen Mahnmal soll nach dem jüngsten Lösungsvorschlag die Inschrift «Wir gedenken aller Roma, die im nationalsozialistisch besetzten Europa dem planmäßigen Völkermord zum Opfer gefallen sind» tragen. Die Sinti-Allianz verlangt die Erwähnung anderer «von der Nazidiktatur betroffener Zigeuner-Volksgruppen».

Wenn jetzt «der Oberbegriff Zigeuner durch Roma ersetzt wird, wäre das eine Missachtung, Diskriminierung und Beleidigung aller anderen Zigeunervölker», sagte die Allianz-Sprecherin. «Alle Zigeunervölker in den elf europäischen Ländern waren von den Nazi-Verfolgungen betroffen, ganz unterschiedliche Völker, die einen Anspruch auf ihre Identität und ihren Namen haben.» Bei einem Denkmal für die Opfer des Bombenkrieges könne man auch nicht nur die Dresdner oder Kölner Opfer erwähnen.

Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte der dpa, er würde ein Ende des jahrelangen, quälenden Streits begrüßen, doch sei er sich nicht sicher, ob es schon so weit sei. Er glaube, dass der Streit unter den Sinti und Roma weitergehen werde. «Ich fürchte, dass Herr Neumann die Gespräche fortsetzen muss.» Die Reduktion bei den lange umstrittenen Textvorschlägen am Denkmal auf den Begriff Roma sei eine überraschende Wendung. Man könne kein Denkmal errichten, von dem sich Betroffene ausgeschlossen fühlten, sagte Thierse dazu.

Ähnlich argumentierte der Vorsitzende des Bundestagskulturausschusses, Hans-Joachim Otto (FDP). Er zeigte sich zwar optimistisch, dass es zu einer Einigung kommt, betonte aber ebenfalls, dass es keinen Widerstand mehr von den zu ehrenden Volksgruppen geben dürfe. «Wenn ein Teil der Betroffenen gegen das Denkmal protestiert, dann würden wir das Ganze abblasen», sagte Otto der dpa. Die Dokumentation müsse historisch und ethnologisch zutreffend sein. (tso/dpa)

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