Kultur : Gerichtet? Gerettet!

Eigentlich wollte Götz Friedrich nach der Diskussion um die Zukunft "seiner" Deutschen Oper Berlin im Unterausschuß Theater das Berliner Abgeordnetenhaus wortlos verlassen - dann rang sich der Generalintendant aber doch ein Statement ab.Ein sehr preußisches: "Ich werde meine dienstlichen Verpflichtungen weiterhin erfüllen."

Staatsmännischer hätte sich sein unerwartet klarer Sieg über die Widersacher innerhalb und außerhalb des eigenen Hauses kaum ausdrücken lassen."Es war eine ungeheure Kraftlosigkeit auf Seiten der Politiker zu spüren", kommentierte eine sichtlich erschöpfte Alice Ströver von den Grünen die Sitzung - und selbst Kultursenator Peter Radunski wirkte einen Kopf kleiner als gewöhnlich, als er vor die Presse trat, um über das wesentlich entschärfte Sanierungskonzept zu berichten.Danach muß Friedrich nicht mehr wie bisher gefordert sein Defizit bis zum Jahr 2001 abbauen.Stattdessen soll nun laut Radunski "um das Jahr 2000" ein ausgeglichener Haushalt erreicht sein.Im 1998er Etat klafft derzeit eine Lücke von acht Millionen Mark, 1999 sollen dank eines "publikumswirksameren Spielplans" 1,5 Millionen Mark mehr in die Kasse fließen - ohne daß dem Haus damit Populismus verordnet würde, wie Radunski betonte.Mit dem Abbau des in den vergangenen Jahren mit Wissen der Kulturverwaltung aufgehäuften Defizits soll erst 2001 begonnen werden.Bis dahin könne die Oper Kredite in Höhe von mindestens sechs Millionen Mark aufnehmen."Wir mußten feststellen, daß strukturelle Maßnahmen leider nicht so schnell greifen können wie erhofft", gab der Senator zu.

6,46 Millionen Mark erhält Friedrich als "Nachzahlung", weil der Senat 1995 durch Tarifabschlüsse entstandene Mehrkosten nicht beglichen hatte - 4,87 Millionen davon stammen aus der Summe, die 1998 für das immer noch im Koma liegende Metropol-Theater eingeplant war, der Rest stammt aus Mitteln, die ursprünglich für Investitionsmaßnahmen bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vorgesehen, aber in diesem Jahr nicht "abgerufen" worden waren.

Positive Nachrichten hat Radunski auch für das Ballett der Deutschen Oper, dessen Sprecherin Julia Lawrenz zuvor Friedrichs Vorschlag, alle Tänzerstellen einzusparen, anprangerte: "Er hat das Ballett zur Disposition gestellt, um seinen eigenen Kopf zu retten." Zumindest ein Stamm von 30 Personen soll erhalten bleiben, so Radunski.Über alles weitere werde gemeinsam mit dem Ballettbeauftragten Gerhard Brunner entschieden.

Und Götz Friedrich? Er muß künftig in der Chefetage mächtige Mitstreiter dulden: Einen starken Verwaltungsleiter, einen Betriebswirt für das Controlling, einen neuen künstlerischen Betriebsdirektor, dessen Ernennung "einvernehmlich" mit Radunski erfolgen muß.Der Freundeskreis sponsort einen Besuch der Unternehmensberaterfirma McKinsey, und auch der Rechnungshof soll beim Sparen behilflich sein. F.H.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben