Kultur : Gerrit Bartels

Lieblingsbuch

— Richard Ford:

Die Lage des Landes. Roman. Aus dem Amerikanischen von Frank Heibert. Berlin Verlag, Berlin 2007. 684 S., 24, 90 €.

Ein fulminanter Bewusstseinsroman. Nach „Sportreporter“ und „Unabhängigkeitstag“ erzählt Richard Ford drei weitere Tage im Leben seines Langzeithelden Frank Bascombe. Dieser erinnert sich unablässig, schweift ab, räsoniert über das Leben, die Liebe, den Kapitalismus, das Alter, den Tod und vieles mehr. Die definitiv große amerikanische Romantrilogie.

Schnelles Vergnügen

— Thomas Glavinic:
Das bin doch ich. Roman. Carl Hanser Verlag, München 2007. 238 S., 19, 90 €.

Thomas Glavinic’ Roman über sein beinhartes Leben als Schriftsteller und sein nicht weniger beinhartes Leben als Angehöriger des Literaturbetriebs ist kurzweilig, komisch und reichlich durchgeknallt. Es beweist, dass auch Schriftstellerneurosen leidenschaftlich gepflegt werden wollen und dann durchaus literarischen Mehrwert haben.

Klassiker

— Jörg Fauser.
Gesammelte Werke in neun Bänden. Alexander Verlag, Berlin 2007, je 19, 90 € oder 24, 90 €

Hätte sich Jörg Fauser vermutlich nie träumen lassen: Einmal in einer Rubrik wie dieser zu landen. Ein Klassiker!? Ist aber so: Fausers Bücher und Texte haben die Jahre überdauert und lesen sich so frisch, als seien sie gerade geschrieben worden. Da haben noch Generationen von jungen Schriftstellern was dran zu knacken. Wer wissen will, wie die Bundesrepublik war, muss Fauser lesen.

Augen- und Ohrenweide

— Renate Seydel, Bernd Meier:
Romy Schneider. Ein Leben in Bildern, Henschel, Berlin 2007. 343 S, 19, 90 €.

In dem Gesicht von Romy Schneider findet sich immer wieder Neues, Überraschendes. Das hört nie auf, einen hintergründig-verrätselt anzuschauen. Und nach der Lektüre will man dann sofort wieder einen der vielen Filme sehen, die der französische Regisseur Claude Sautet mit Romy Schneider gedreht hat.

Zum Schlauwerden

— Michael Köhlmeier:
Abendland. Roman. Carl Hanser Verlag, München 2007. 776 Seiten, 24, 90 €.

Jazz, Mathematik, Philosophie, die Kunst und das Handwerk des Schreibens, zwei Weltkriege, der Rassismus in den USA: Viel drin in diesem großen Roman, die ganze Ideen - und Wissensgeschichte des 20. Jahrhunderts, dessen Geist und Ungeist. Und all das ist so erzählt, dass man sich nicht eine einzige Seite langweilt und gern noch weitere achthundert Seiten lesen würde.

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