Kultur : Gerührt

DIRK SCHÖNLEBE

"Ja, das war schon ganz schön.Aber wir sprechen bitte in ganzen Sätzen." Nein, das ist keine Anweisung von Sir Erich an Uli Stielike.Diese Aufforderung gilt Dynamo Duse und Spartak Stanislawski, die jeden Montag (20.30 Uhr) beim Theatersport im Chamäleon um den Titel der "Giganten der Bühne" schauspielen.Und sie kommt von Charly C.Schlimm (Christian Schramm), dem Moderator des Wettstreits.Unter seiner Aufsicht messen sich die beiden Teams, bestehend aus je drei Männern, in der Kunst des Improvisationstheaters.Die Zuschauer bestimmen, die Schauspieler spielen: darin liegt die Stärke des Impro-Theaters.Ob sie sich ein Chanson wünschen, in dem "Chateaubriand" und "Charlotte" vorkommen müssen oder einen Monolog über Bartwuchs in der gelben Galaxis, vorgetragen mit dem eigenen Mund und der Gestik eines Mitspielers - die beiden Teams müssen sich was einfallen lassen.Meist gelingt das sehr gut, und den Zuschauern, die über den Sieger jeder Runde entscheiden, fällt die Entscheidung nicht leicht.In der Abhängigkeit von Zuschauer-Ideen liegt aber zugleich die Schwäche des Impro-Theaters.Ohne witzige Vorgaben haben es die beiden Teams schwer.Darunter leidet Theatersport ein wenig, so daß Spielleiter Schlimm schon mal eingreift und die gelbe Karte wegen "langweiligen Spiels auf offener Bühne" zeigt.Mit sarkastischen Kommentaren oder demonstrativem Nesteln an der roten Karte rettet er über die wenigen zähen Szenen hinweg.Wenn das Schlußlied, in dem "Berti Vogts", "Stadtwurst" und "Schwangerschaftsgymnastik" sensationell zusammengeführt werden, verklungen ist, kann man deshalb sagen: ja, das war schön.

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